Streik verschoben!

Am Wochenende fährt meine Frau seit langem mal wieder mit der Bahn. Das tut sie nicht gern, weil Verspätungen und übervolle Bahnsteige ihr ein Graus sind. Nun wollte auch noch die Bahn, ehm, die Bahnarbeiter streiken. Das geht so nicht, weil dass wäre dem Guten eindeutig zuviel - schließlich will meine bessere Hälfte möglicht stressfrei von A nach B gelangen.

Nach Schilderung dieser unumstößlichen Tatsache lenkte nun tatsächlich der Bund der zum Streik bereiten Bahnarbeiter ein und verschob den Streik um eine Woche. Nochmal Glück gehabt, dachte ich mir. Und die Bahn natürlich auch, schließlich ist mit meiner Frau schlecht Kirschen essen, wenn ihr so profane Unwegsamkeiten wie Streiks oder gar Verspätungen den Tag vermiesen.Okay, das war übertrieben. Nee, nicht das mit der Bahn, ehm, Bahnarbeiter. Die verschieben ihren Streik tatsächlich. Allerdings tun sie dies, weil die alpine Ski-WM im Süden unserer winterlichen Republik stattfindet. Und genau das verwirrt mich. Was ist das denn für ein Grund? Auf die Pendler (und von denen gibts ein paar mehr als die paar Schaulustigen an den weltmeisterlichen Abhängen) nimmt doch sonst auch keiner Rücksicht. Normalerweise streikt man doch in einer Form und zu einem Zeitpunkt, mit dem irgendwem ordentlich der Spaß verdorben wird.

Ach ja, da fällt mir was ein, da war ja was: Olympia. Hatte ich ja fast vergessen.Ich meine, stellt Dir mal vor: Die Bahnarbeiter versauen mit ihrem Streik die Olympiabewerbung für München 2018! Aber das fällt ja nun flach. Nein, nicht Olympia. Wer schwer arbeitendes Volk zum Verschieben eines Streiks bewegen kann, der weiß auch die Herren über die fünf heiligen Ringe zu befriedigen. Das wird aber ungleich teurer und die südostasiatische Konkurrenz im Kampf um die Winterspiele ist nahezu übermächtig. 

Aber zurück auf die Schiene. Bin ja gespannt ob diverse Gewerkschaftschefs den bunten Olympiaaufkleber von ihren funkelnagelneuen bayrischen Nobelkarossen herunterbekommen, bevor am Montag viele Millionen Pendler schweißgebadet zu Fuß ihren Arbeitsplatz erreichen. Egal, meine Süße dürfte dann längst wieder daheim sein, wenn nicht mögliche Verspätungen, technische Defekte in den Zügen oder gar gestohlene Oberleitungen die Heimfahrt olympisch gestalten.

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