Mein allwissender Doktor behauptet gegenüber seinem wissbegierigem Patienten, „Wusch, Du wiegst zuviel“ Soll heißen, bei mir müssen ein paar Kilos runter, idealerweise acht, damit der BMI mir ein noch langes und ereignisreiches Leben gestattet. Sonst ist wohl bald Schicht im Schacht, sagt er, und er muss es wohl wissen.
Ich bin nicht unbedingt fett, nur zu klein für mein Gewicht. Zudem ist Muskelfleisch und Hirnmasse nicht unbedingt gewichtslos, wenn auch kaum vorhanden. Also runter mit dem Speck. Und wenn wir schon dabei sind, stellen wir gleich die komplette Ernährung um, treiben Sport und machen uns fit für Olympia und weitere vierzig Jahre Leben. Auf die ich allerdings mit der angestrebten Verpflegung wenig Motivationt verspüre. Wieviele Klischees habe ich gerade bedient?.
He, wo bleibt denn hier der Spaß. Zu einer standesgemäßen Lebensqualität gehören saftige Steaks, dampfendes Eisbein, süffiges Bier und überdies Müßiggang bis zum Abwinken. Und nun die Kehrtwende: es gibt Müsli (ich verspüre Würgreiz), Vollkornbrot mit ganzen Früchten, ehm Körnern und soviel Gemüse und Obst, dass meine Ohren einen erneuten Wachstumsschub bekommen. Wo soll das denn hinführen? Soll ich als Meerschweinchen etwa hundert Jahre alt werden?
Und dieser Schock mit der Fitness. Gestresst von täglich etwa neun Stunden unmenschlich harter Beamtenarbeit soll ich meinen grazilen Körper eine weitere Stunde quälen. Damit dieser selbst im Greisenalter noch junge Mädels zu zügellosem Sex verführt? Wer will so etwas schon erleben? Naja, so übel ist diese Vorstellung nun wieder nicht, etwas Motivation keimt in mir auf.
Nun verstehe ich, warum in Sachen Abnehmen absolut nix geht, wenn ich meine Schwiegereltern besuche. Stellt sich die Frage, ob sie mir kein ausschweifendes Sexleben im Alter gönnen oder einfach nur der Meinung sind, dass ich stets und ständig unterernährt wirke. Letzteres liegt wahrscheinlich einzig und allein in der angeborenen Wahrnehmung einer jeden (Schwieger-) Mutter.
Es ist ein leidiges Thema, und ja, ein Wille ist da. Streiche Bier, setze Mineralwasser! Streiche Schnitzel, setze Knäckebrot! Streiche Fernsehabend, setze Nordic Walking bis zum Abwinken. Ich wische mir die Tränen weg und versuche stark zu sein, in Anbetracht der bevorstehenden schwerwiegenden Verluste meiner Lebensqualität.