Verkehrsherum

Auf meinem täglichen Weg durch das rheinische Niemandsland zur Dienststelle erschrecken mich zunehmend Verkehrsregelungen, die zum Teil als Verkehrsschild verkleidet plötzlich und ohne Vorwarnung am Straßenrand sich auf ahnungslose unschuldige Opfer stürzen. Düster wirkende Ampeln funkeln mordlustig aus ihrem blutroten Auge, das freundliche Grün scheint für immer verschwunden.Verzweiflung macht sich unter den davor Wartenden breit. Endlich scheint die Erlösung in Form rasch eintreffenden Gegenverkehrs einzutreffen, doch dieser enteilt in entgegengesetzter Richtung und lässt die enttäuschten Zurückgebliebenen mit ihrer Pein allein zurück. Fahrbahnbreite Absperrzäune stehen einzig aus dem Grund dem ungeduldigen Autofahrer die Weiterfahrt zu verwehren, müde blinkend mitten auf der Straße. Könnten sie sprechen, so würde Tag und Nacht ein einziger Singsang von dieser blechernen Barrikade übers freie Feld schallen: „Hier kommt keiner durch - hier kommt keiner durch - hier kommt keiner…“. Doch einige Verzweifelte wagen den Durchbruch. Ob nun verwegen oder nur unaufmerksam schlugen sie eine Bresche durch einen dieser Zäune und versuchten ihr Glück beim Durchqueren einer Baustelle. Glück- und Hoffnungslos unter Erleidung schwerster Blechschäden mussten sie die schwere Fahrt zurück in die Normalität namens Umleitung antreten.

Eine besondere Anziehungskraft für Verkehrsschilder üben Kreisverkehre aus. Dort tummeln sich stets eine große Anzahl an Vorfahrts-, Hinweis- und Warnschilder, Wegweisern und Leitplanken. Der gewöhnliche Kraftfahrer nimmt diese in der Regel kaum wahr, da er meist alle Konzentration für die Annäherung und Umrundung des Hindernisses im Zentrum des Kreisverkehrs aufwendet.

Das größte Ärgernis auf Deutschlands stark befahrenen Asphaltschneisen stellen jedoch die Geschwindigkeit regelnde Schilder dar. An und für sich ein klarer Verstoß gegen bestehende Menschenrechte, werden doch so grundlegende Rechte wie die Menschenwürde und die freie Entfaltung der Persönlichkeit stark eingebremst. Die Bevormundung des Bürgers verbunden mit dem Zwang an völlig unwillkürlich gewählten Orten vom Gas gehen zu müssen, stellt seit der Erfindung des Gaspedals die Geduld eines jeden Automobil-Piloten auf eine harte Probe. Diese faszinierende Gefühlslage steigt bei unseren motorisierten Zweiradhelden ins Unermessliche und Geduld ist bei denen in der Regel ein Fremdwort. Doch der Widerstand gegen den Schilderterror wächst. Warnschilder zur Geschwindigkeitsreduzierung werden zunehmend ignoriert, missachtet oder schlichtweg als Anlass genommen, noch etwas schneller zu fahren. Auch verschiedene Organisationen wie der „Tankstellenverband“ oder der „Verein der freiwilligen Organspende (VdfO)“ unterstützen diesen völlig aussichtslosen Kampf gegen den bunten Schilderwald an deutschen Straßen. Bürger, tut etwas für euren motorisierten Tempel der Wolllust, wehrt euch und tankt gefälligst E10! Bis denne…

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