Ständchen

Schön zu wissen, dass ich nicht der einzig verbliebene Kindskopf auf dieser dem Untergang geweihten Welt bin, der sich jedes Jahr aufs neue auf seinen Geburtstag freut. Nun liegt dieser noch Monate in der grauen nebulösen Zukunft entfernt und das ist auch gut so! Runde Geburtstage sind grausame Ehrentage.

Vielmehr möchte ich der Dame herzlichst gratulieren, die seit Tagen unruhig und voller Erwartungen auf diesen heutigen frühlingshaften Samstag wartete und die vergangenen Tage und Stunden rückwärts zählte. Yeah, endlich - oder schon wieder - 29 geworden, ganz wie Du willst. Glückwunsch! Feiere schön!

Grund für mich einmal über das letzte große Mysterium unserer humorlosen Welt nachzudenken. Nein, ich meine nicht Schalke 04 und ganz sicher auch nicht furchtbare Außerirdische, die das edle Ziel haben, Dieter Bohlen zu entführen, um ihn dann in ihrer furchtbaren Welt zu einer furchtbaren Gottheit zu erheben.

Nein, ich werde ein paar Gedanken über die Zeit als solche verlieren und nicht etwa um „die heutigen verdammt schwierigen Zeiten“, „GZSZ“ oder die Gezeiten an den stürmischen Gestaden ferner Ereignisse.

Es ist schon eine blöde Bescherung, die uns Herr Einstein mit seiner völlig überbewerteten Relativitätstheorie eingebrockt hat. Die Zeit vergeht scheinbar sehr langsam, und je mehr Gedanken man sich darüber macht, desto mehr bremst die Uhr. Dabei ist doch ihre einzige Aufgabe uns eine zeitliche Positionsangabe im unendlichen Irrsinn dieses schamlosen Universums zu geben. Tja, Einstein, Zeit ist nicht nur relativ, Zeit ist ne ziemlich blöde Kacke, und wenn dann noch eine Uhr im Spiel ist, wird es unerträglich.

Man schaut auf die Bahnhofuhr-große Bürouhr und zählt ein paar Sekunden mit, drei oder vier, mehr aber nicht. Diese vergehen so langsam, dass man selbst als Beamter dabei noch eine andere Tätigkeit ausüben könnte, ohne aus dem Takt zu kommen. Der rote Sekundenzeiger beschleunigt und wird kurz darauf abrupt abgebremst. Tick! Noch während er sich von dieser Erschütterung schüttelnd erholt, beginnt das müde Beschleunigen für die nächste ekelhafte Sekunde. Tack! Mir wird fast schwindlich bei dieser Geschwindigkeit.

Nein, diese verdammte Zeit ist nichts für mich und wenn andere meinen, ein Geburtstag ist nichts anderes wie das jährliche Abklatschen der Zeit mit der langsam ablaufenden Sanduhr unseres kurzen unwürdigen Lebens, dann sind Geburtstage eine absolut dumme Erfindung. Das ist wie Glas halbvoll oder halbleer. Freut man sich über weitere überlebte zwölf Monate oder trauert man, dass das Ende wieder die selbe Distanz näher gekommen ist?

Oder bietet einem der eigene Geburtstag einen Grund ordentlich Geschenke abzusahnen und einen Anlass mit Freunden und Familie zu feiern? Und vielleicht den Anlass, ein kleines bisschen, aber um Himmels Willen nicht zu viel über die verdammte vergangene Zeit nachzudenken.

Bis denne

P.S.: Verdammt, nun hatte ich diesen Text für den Samstag geschrieben und musste nun feststellen, dass der eigentliche Anlass erst dieser tolle Sonntag im März ist. Man sehe es mir nach. ;-)  Und damit ist wohl klar, dass ich mir wohl kaum die Mühe machen werde, an diesem Wochenende noch nen Text einzustellen.  ;-)

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