Guckst Du wie Pfandflasche leer

Auf der wöchentlichen Nahrungsbeschaffungstour durch diverse Schluchten prall gefüllter Lebensmittelregale gibt’s so manche Begebenheit, die mir mal wieder schwer vor Augen hält, dass es dumm war, ohne Schreibzeug das Haus zu verlassen. Wie soll ich euch von meinen Abenteuern berichten, wenn ich mir keine Notizen machen kann? So auch heute, als ich in gewohnter Jäger- und Sammler-Manier erwartungsvoll diesen Tempel der ernährungsbedingten Begierde betrat und das Unheil seinen Lauf nahm.

Spießbürgerlich vorbereitet mit einem randvoll mit Pfandflaschen gefüllten Einkaufswagen betritt man also die Hallen des gottlosen Konsumwahns. Und Peng! Wie von Schlag getroffen erstarrt bleibt man mitten in der Eingangshalle stehen. Die Eingangstüren drohen mich zweizuteilen, sollte ich nicht schnellstens diesen Bereich verlassen. Doch die Füße verweigern den Dienst und so bleibt mir nichts übrig, als entsetzt auf die mindestens 20 Meter lange wartende Schlange weiterer Gesinnungsgenossen vor den beiden Pfandflaschenautomaten zu blicken. Wobei die 20 Meter zuerst noch nicht einmal im Raum standen, da ich das Ende der Schlange nur erahnen anstatt erblicken konnte.

Durchweg gelangweilte Gesichter, deren Besitzer geduldig sich an ihren in feinster Messi-Manier mit Kästen, blauen Mülltüten und Einkaufstaschen voller Plastikmüll gefüllten Einkaufswagen festklammerten. Ich begab mich auf die Suche nach einem Ende der Schlange und fand es gegenüber eines Blumengeschäfts. Von hier aus waren die Automaten nur schwer in der Ferne erkennbar. Aber es reichte, um zu erkennen, dass einer der beiden Automaten sich eine Auszeit genommen hatte und seine überfüllten Lagerkapazitäten für einen spontanen Streik sorgten.

Ich vertrieb mir also die Zeit mit der intensiven Beobachtung der Leergut-befördernden Konkurrenz. Die Geduld dieser erbarmungswürdigen Menschen kannte keine Grenzen. Wie sich doch die Zeiten ändern. Standen bis vor etwa zwei Jahrzehnten noch die Bewohner des Ostteils dieser Republik nach begehrten Südfrüchten an, so sorgt nun die Entsorgung von Leergut für unendliche Menschenschlangen. Den anderen Automaten belagerte gerade ein wenig geduldiger Herr, der den Pfandflaschenrücknahmeapparat wiederholt mit einer leeren Flasche traktierte. Ohne mit diesen, in grausamster Brutalität ausgeführten Schlägen irgendeine Reaktion des Automaten zu erzielen. Der Automat blieb ungnädig und nahm die leere Flasche einfach nicht an. Das Gesicht inzwischen hochrot gefärbt gab schließlich unser prügelnder Freund nach. Pech gehabt! Der nächste bitte!

Automat zwei stellt gerade seine Streikhandlungen ein und saugt die ihm freiwillig dargebotenen Plastikflaschen wieder gierig in sich hinein. Ein Blick auf den Display lies mich erstaunen, die Dame hatte inzwischen Leergut in Höhe von über zwanzig Euro entsorgt. Eine letzte Flasche verlässt ihre Hand in Richtung Höllenschlund und dann gibt’s die Quittung in Form eines Bons. Und der nächste in der Schlange schiebt seinen Wagen vor die rote Kiste und beginnt nun große durchsichtige Plastikflaschen mit dem Boden zuerst einzulochen.

Am anderen Automaten steht schon eine gewisse Zeit eine Blondine, etwa Ende dreissig und langt in einen blauen Müllsack und eine leere Red Bull-Dose nach der anderen kommt ans trübe Licht dieser Discounter-Eingangshalle. Satte dreissig Euro stehen bereits auf dem Display und kein Ende ist in Sicht. Wer, verdammt noch mal, trinkt soviel von dieser süssen Plürre, ohne dabei ernsthafte körperliche Schäden davon zu tragen? Noch eine Dose und noch eine… Eine halbe Ewigkeit später ist sie endlich fertig und entschwindet mit einem 38 EUR-Bon aus meinem Gesichtsfeld. Keine Ahnung, ob ihr nun Flügel gewachsen waren, ein Wunder wäre es wohl nicht.

So, endlich bin ich dran, danke Gott für das allmächtige Pfandgesetz und tausche mein Leergut gegen einen kleinen Bon, der im Anschluss den Preis für den wöchentlichen Einkauf ein wenig erträglicher macht. Bis denne…

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