B.O.F.H. in spe

Das Arbeitsleben hat mich wieder! Zurück im Büro, die Kaffeetasse in der einen Hand, die andere übt mit dem Zeigefinger einen leichten Druck auf die Anruferliste-Löschen-Taste aus. Gehen wir diesen Tag geschmeidig an. Ruhig, fast schon bedächtig, jedwedes Verständnis sei uns sicher.

Die weiblichen Putzteufel belagern große Teile des langen Flurs. Wagemutigen, die sich trotz der drohenden Gefahr aus der trügerischen Sicherheit ihres Büro in das nebulöse Grau des Gangs wagen, droht ein gnadenloses Mobbing, vorzugsweise mit dem Wischmob.

Ein Blick aus dem Fenster lässt einen wunderbaren Tag erwarten. Die Wolken halten es für eine gute Idee mit Abwesenheit zu glänzen, die Sonne jagt alte graue Schatten verschiedener Gebäudeteile kriechen über gegenüberliegende Wände bis hinab auf den Rasen.

Ah ja, Quartalsbeginn - Scharen neuer Mitarbeiter schwärmen durchs Dickicht unzähliger Büroräume und bedrohen untätige Kollegen mit viel Unheil versprechneder Arbeit. Geistesgegenwärtig schwinge ich mich aus meinem Drehstuhl, springe mit einem Satz durchs Büro und schlage die Tür zu, noch bevor einer dieser Unglücklichen mitbekommt, dass diese Tür jemals geöffnet war. So weit kommt es noch, dass ständiger Arbeitsstress meinen Kaffeekonsum beeinträchtigt.

Es klopft an der Tür, ein mir nur entfernt bekanntes Gesicht schiebt sich herein, noch bevor ich mich hinter meinen Monitoren unsichtbar machen konnte. Hatte ich den Gast hereingebeten? Sollte ich ihn rein auf Verdacht darauf zurechtweisen? Ach was, freundlich frage ich den unerwünschten Eindringling nach seinem Begehr. Er schwätzt ein wenig über dieses verteufelte Ding namens Computer, welcher seit einiger Zeit sein Büro terrorisiert. Natürlich erhofft er sich nicht nur sofortige Hilfe in seinen digitalen Problemen sondern auch intensive Seelsorge. Ersteres ist natürlich nicht möglich, denn für die verdammte Fernwartung müsste dieser gewissenlose User vor seiner Klapperkiste sitzen. Die Geschichte mit der Seelsorge ist da natürlich etwas anderes, etwas unbedingt ernstzunehmendes. Und einige Momente und vielen Streicheleinheiten später entschwindet er mit einem etwas weniger getrübten Blick aus meinem nun endlich wieder vereinsamten Büro.

Und so zieht sich dieser unglaublich nervenaufreibende Tag über die längsten Stunden, die es jemals gab und den kältesten Kaffee, der je gekocht wurde bis hin zum finalen Ausloggen. Feierabendwetter de Luxe – oh göttlicher Garten, ich eile Dir entgegen…

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