Lesen und gelesen werden, das ist momentan mein Motto. In der Vergangenheit jedoch war es in erster Linie das Erleben vieler Geschichten lesenden Auges, welches sich Zeile um Zeile durch ein Buch fraß. Seit der Erfindung des Hörbuches werden die arg strapazierten Augen zunehmend geschont, zudem konnte man nun überall Geschichten erleben, ohne immer Bücher als Kiloware mit sich herumzuschleppen. Zeitgleich zum gespannten Zuhören konnte man nun Joggen, Abwaschen oder im Büro Kaffee trinken.
Ganz aufs Lesen verzichten kann man zwar trotzdem nicht, so ziert stets das eine oder andere Buch mein Nachtschränkchen. Denn nichts bietet einen harmonischeren Accord, als mit einem Glas Wein oder einem Whisky in der Hand und einem Buch in der anderen ein paar Momente die Zeit vor dem Einschlafen zu verbringen.
In der Vergangenheit gab es stets verschiedene Geschichten, die schon kurz nach dem Lesen in irgendeine Schublade in der hintersten Ecke verschwanden und nie mehr wieder den Weg in meine Gedanken fanden. Und es gibt jene Erlebnisse, welche sich so tief ins Hirn brannten, als hätte man sie selbst erwähnt erlebt. Eine dieser Geschichten ist die des einen Ringes, von seinem smarten Träger und seiner aufregenden Reise hinein in das touristisch unentdeckte Land Mordor. Diese epische Geschichte ist nun aber bekannt genug und bedarf daher auch keine herzerwärmende Erwähnung an dieser Stelle.
Vielmehr durchlebe ich nun schon seit etwa vier unglaublich langen Jahren durchweg die Geschichte von Roland, Mittwelts letztem Revolvermann. Allein zum Lesen dieser siebenbändigen, in einem Zeitraum von über 30 Jahren vom Schreiberling Stephen King niedergeschriebenen Wälzer brauchte ich zwei Jahre. Und seit einiger Zeit kämpfe ich mich Stunde um Stunde durch ein Hörbuch nahezu identischen Inhalts, welches an Länge nicht nur die Hörer blass aussehen lässt..
In der fast schon unendlichen Geschichte geht es um Rolands ewiger Suche nach einem dunklen Turm. Gewiss, der Einstieg fällt nicht leicht, das erste Buch „Schwarz“ ist recht zähe Kost. Aber spätestens mit „Tot“, dem dritten der sieben Bücher nimmt diese irgendwo zwischen Fantasy, Western und Horror angesiedelte Geschichte so sehr an Fahrt auf, dass man nicht mehr davon ablassen kann - Suchtfaktor pur! Und irgendwann gelangt man an den Punkt, an dem man hofft, dass man niemals am Ende dieser eigentümlichen Reise anlangt. Und zugleich darum fleht, endlich das zu erfahren, was Roland im obersten Stockwerk des Turmes erwartet, sollte er diesen eines Tages erreichen. Eine wahre Seelenpain, vielleicht aber auch das Erfolgsgeheimnis einer Geschichte, die ebenso unverfilmbar sein dürfte wie ehemals „Der Herr der Ringe“.
Dem Gesetz des Marktes folgend gibt es selbstverständlich auch verschiedene Versuche die Suche Rolands nach dem dunklen Turm weiterhin gewinnbringend zu vermarkten. Dabei dürfte die Graphic Novel vom Dunklen Turm, eine Art Comic-Buch für Erwachsene vielleicht die genialste Idee sein, wird doch hier die Geschichte nicht nur in Bildern erzählt, sondern diverse bislang unerzählte Abschnitte aus dem Leben Rolands in einzigartiger Weise wiedergegeben. Ebenfalls mit Suchtfaktor, wenn auch relativ teuer.
Erwähnte ich, dass sich der Schriftsteller in seinem Roman als Figur seiner selbst einfügte und dabei nicht unbedingt die positivste Rolle in Rolands Suche spielte? Gnadenlos und unterhaltsam hämmert Schriftsteller King auf dem Schriftsteller King in dieser Story herum.
Sollte ich nun etwas neugierig gemacht haben, dann empfehle ich: genießt unbedingt sämtliche Vor- und Nachwörter. Und ganz besonders die Stelle mit dem Leserbrief, in dem ein anonymer Leser den Autor zum Weiterschreiben dieser Story bewegen wollte und dazu ein Foto eines Teddys mit der Aufschrift „Schreib – oder dieser Teddy stirbt!“ beigelegt hatte.
In diesem Sinne – lest mehr Bücher oder die Teddys dieser Welt kommen über euch!