Bin eben auf der Toilette (ich will beim guten Ton bleiben und schreibe deshalb nicht „beim Pinkeln“) zu bahnbrechenden Erkenntnissen gelangt. Und zwar grübelte ich über den Gedanken, dass es recht einfach ist, sich selbst für einen Wichser zu halten. Halt nur eine Frage zu wie viel Selbstironie man eigentlich in der Lage ist und wie viel Distanz man pflegt. Ein Experiment etwa wäre: Beschimpfe Dich selbst mit dem übelsten Gossenjargon. Du wirst Dich kaum beleidigen können, weil Du diese Worte nicht wirklich an Dein Herz lässt. Und mit einem ehrlich gemeinten „Insichgehen“ ist es kaum anders.
Kurz bevor ich meinen Toilettenbesuch mit dem Akt des Händewaschens beschließen wollte, glomm ein kleiner Funken Wahrheit in mir auf. Nein, kein Funken - Ein Blitz der Selbsterkenntnis vielmehr, kurz, grell und schmerzvoll. Bamm und mit einmal war mir klar: Sich selbst gedanklich und spaßeshalber einen Wichser zu nennen ist nichts gegen die brutale Wahrheit, tatsächlich ein unangenehmer Mensch zu sein. Bleibt die Frage: bin ich etwa unangenehm? Ich meine, wer ist schon stolz darauf, grübelnd vor eine Spiegel zu stehen und etwas zu erblicken, was einem ganz und gar nicht nicht schmeckt. Ach was, dummes Geschwätz. Wird Zeit sich die Hände abzutrocknen und zu gehen. Aber eine Frage geistert weiterhin durch mein Hirn: bin ich ein Fall für Freuds rostigem Hinterkopfbohrer, weil ich mir über das Problem einer himmlischen Selbsterkenntnis beim Toilettengang den Kopf zerbreche? Und wie ist eigentlich die Steigerung von Wichser in unserem ganz alltäglichen superlativen Größenwahn?