Vergiss alles, was ich jemals über Traumberufe erzählt und geschrieben habe! Das stimmt alles nicht mehr, und wenn Du willst, behaupte ich sogar das Gegenteil. Ich gehe sogar soweit und schreibe einen weiteren Blogbeitrag zu diesem Thema. Auf der Suche nach dem perfekten Job bin ich nämlich fündig geworden und muss Dir unbedingt davon berichten. Ich schaltete ganz zufällig eines Tages die Glotze an und da sah ich ihn: Der Highsociety-Jounalist
Sein ganz gewöhnlicher Alltag beginnt zuerst einmal ruhig und erholsam. Es wird ausgeschlafen. Doch dann wird’s stressig. Weil Journalistisch. Schließlich muss man sich irgendwie seine Brötchen verdienen. Eine morgendliche Recherche steht an. Was schreiben heute die Boulevardblätter, wovon schwärmen die Weltuntergangsblättchen und welche Tipps gibt der TV-Astrologe?
Es wird Zeit sich in Schale und dann den Wölfen zum Fraß vor zu werfen. Zehn Minuten später begibt man sich an die Hotelbar und beruhigt sich mit einem leckeren Martini das hitzige Gemüt. Nichts ist so geschäftsschädigend wie ein seriöses Auftreten, also leert man auch gleich noch zwei Gläser hinterher. Auf Ex.
Das hier ist die Spielwiese, auf die es letztendlich ankommt. Hier spielt das Leben, hier regnet es Schicksale. Hier tummelt sich für gewöhnlich die eine oder andere Millionärs-Witwe, die hier all das verprasst, für was sich der verschiedene Gatte totgeschuftet hat. Und nicht selten sind sie für eine kleine Story gut. So für den Anfang halt.
Der Barkeeper stellt mir den nächsten Martini hin. Das Leben ist schön. Man sollte darüber ein Buch schreiben.
So verrinnen die Stunden und es wird Zeit für ein ausgiebiges Mittagsschläfchen. Die Rechnung für die Getränke landet man auf der Hotelrechnung, man selbst auf dem Hotelzimmer und ein Blick auf den Notizblock zeigt: Das erlebte Elend an der Hotelbar hielt sich in Grenzen. Viel geschrieben hat man bis jetzt jedenfalls noch nicht. Optimismus ist also angesagt. Wenn sich heute Abend nichts ergibt, wechselt man entweder das Hotel oder schnappt sich eine von den Blaublütern und sorgt selbst für einen kleinen Skandal.
Am Abend strandet man erneut an der Hotelbar. Diesmal mit einem Laptop, Gin-Tonic und einigen tollen Ideen bewaffnet. Schnell entwirft man einige Schlagzeilen für diverse Klatschspalten. Wer könnte was mit wem gehabt haben, ein bisschen Schwangerschaft, Geldsorgen und Wahnsinn dazu… Fertig! Bunt gespickt mit den üblichen Phrasen – genau das wollen die Leute lesen. Man befriedigt Bedürfnisse, genauso wie der Mann hinter der Theke oder die Prostituierte ihm gegenüber.
Hin und wieder findet man sich sogar selbst im TV wieder. Dann nämlich, wenn eine der selbsterfundenen Storys sich als zufällig wahr heraus stellt. In diesem Fall setzen die Sendeanstalten ihre Schergen auf einen an, man bekommt das Hotelzimmer bezahlt, kostenlose Drinks spendiert und ein Mikrophon unter die Nase gedrückt. Ein solches Interview findet meist im Sendestudio mit Aussicht auf die Boote und Jachten der Schönen und Reichen statt. Hin und wieder ist es auch nur eine von den total überteuerten Hotelsuiten. In beiden Fällen kann man es also aushalten.
Die Fragen beginnen meist mit „Sie als Highsociety-Journalist, als Kenner der Szene, was sagen Sie zu…“ Die Antwort entstammt in Ansätzen den sorgsam studierten Spalten der Klatschpresse und somit völlig ausreichend, um gesendet zu werden. Anschließend verkauft man dem Fernsehfritzen noch die Warnungen der TV-Wahrsagerin vom Vormittag als brandheiße Insidertipps aus der Gerüchteküche. Das ist grundehrliche Journalistenarbeit. Es kommt nicht darauf an, über Richtig und Falsch zu berichten, sondern was die Leute hören wollen.
Mit einem prall gefüllten Umschlag unter dem Arm verlässt man schleunigst die Suite in Richtung Hotelbar. Da wo das Leben tobt, das Schicksal seine Opfer findet und man Wahrheiten auf dem Grunde von Cocktail-Gläsern findet.