Oh, Tannenbaum

Montag, fünf Tage vor Weihnachten. Oder sinds noch sechs? Egal, Weihnachten steht vor der Tür und damit die wohl schwierigste Zeit des Jahres für harmoniesüchtige Familienmenschen und jene, die die kommenden Festtage über alles verabscheuen. Deren postapokalyptisch verankerten Standpunkte sind unbedingt bedauernswert, wenn auch selten nachvollziehbar. Und solange Selbstgeißelung keine Strafbare Handlung darstellt: Viel Spaß und Frohes Fest!

Mein eigenes Frohes Fest wird in diesem Jahr auf der noch nicht Kfz-Mautbelasteten Autobahn stattfinden. Heiligabend gehts über rund siebenhundert Kilometer in den guten alten deutschen Osten. Heim in die gute alte Heimat. Da wo wieder Wölfe heulen, die Sonne aufgeht und ebenfalls Soli für Aufbau Ost gezahlt wird. Jedenfalls, wenn man Arbeit hat.

Kaum dort angekommen erfolgt bereits am zweiten Feiertag die Rückreise. Ja, ein wenig tue ich mir gerade leid. Andererseits fällt damit das ebenso traditionelle wie auch lästige Schmücken unseres arg in die Jahre gekommenen Weihnachtsbaumes ins Wasser. Wozu den alten Plastikbaum aus seinem Ganzjahresversteck befreien, da man ihn zu Weihnachten eh nicht bestaunen kann. Irgendwelche Geschenke werden sich nicht zu seinen Füßen wiederfinden und den Ärger, dass mal wieder eine Lichterkette nicht funktioniert, erspare ich mir auch. Wehmütig denke ich an die gut fünfzehn Jahren zuvor, an denen das Bäumchen alljährlich in Glitzer und bunten Kügelchen behangen wurde. Bei Youtube gibts seit Jahren gar ein kleines Filmchen davon zu sehen. Ich denke, die Entscheidung schiebe ich mal noch etwas hinaus.

Das weihnachtliche Leben ist halt nicht einfach und fordert ständig neue Entscheidungen von uns. Hin und wieder werden sogar Opfer benötigt und es ist mitunter nicht einfach eines zu finden. Nicht zu vergessen: Weihnachten ist ein christliches Fest bei dem das Opfern ganz groß in Mode ist. Sei es in Form von Spenden, großzügigen Geschenken an die Liebsten oder alten Fernsehgeräten, die neuen UHD-60-Zoll-Curved-TV geopfert werden. Man gönnt sich ja sonst viel zu wenig.

Da sich diese kleine Geschichte beinahe wie eine Predigt anhört (ich dazu aber alles andere als berufen bin), denke ich, dass hiermit meine Schuldigkeit in Sachen vorweihnachtlicher Besinnlichkeit getan ist. Besinnlichkeit war ohnehin nie meine Stärke.

Zum Thema Predigt fällt mir noch etwas ein: Als ungetaufter Barbar sind mir so manche Gebräuche und Riten einer kleinen Dorfkirche unbekannt. Etwa, dass beim Betreten der Kirche kein Eintrittsgeld verlangt wird, wohl aber beim Verlassen des Gebäudes Geld zu zahlen ist. Gilt etwa ein solches Verlassen der Kirche bereits als Kirchenaustritt? Und warum gibt es zu Weihnachten stets und ständig das selbe religiöse Schauspiel rund um eine Futterkrippe zu sehen, dessen Verlauf sich trotz allen Hoffens und Bangens nie ändert. Die Sitzbänke sind hart, es ist kalt und die Bedienung unterirdisch. Man muss sich anstellen, wenn man etwas zu trinken bekommen möchte.

Aber wenn ich mir das genau überlege, entgehe ich in diesem Jahr dem Krippenspiel. Statt dessen stehe ich sicher irgendwo im Stau auf der A4, schaue grimmig in den sächsischen Dauerregen und summe „Oh Tannenbaum…“. Weihnachten hat halt etwas, man muss es nur wollen. Und damit komme ich dann auch zum Ende meiner kleinen sinnlichen Weihnachtsandacht. Ein paar Gedanken zum Jahresendfest waren mal nötig und wie man lesen konnte, habe ich diesmal auch nicht die Erfinder und überaus erfolgreichen Vermarkter dieses frohen und gemütlichen Familienfestes verärgert. Hoffe ich jedenfalls.

Viel Spaß hatte ich bereits gewünscht, ein Frohes Fest auch, tja – dann eben nur: Bis denne!

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