Weihnachten auf der Autobahn

Hier nun die Schilderung davon, wie Weihnachten in diesem Jahr aus der Sicht des Schreiberlings stattfand. Zusammengefasst könnte man sagen, es war kurz, nervenaufreibend und womöglich über alle Maßen teuer. Doch wie man es auch immer entschuldigen mag – an allem war einzig und allein Murphy schuld und sonst niemand! Also lest selbst…

Da Weihnachten 2016 an einem Wochenende stattfindet und wir dieses Familienfest mit der Verwandtschaft in ziemlich genau 700 Kilometern Entfernung feiern wollen, stand uns ein mittelprächtiges Mammutprogramm bevor. Dieses begann damit, dass wir uns am Freitagabend bei einer nicht näher genannten Automobilverleihfirma ein Fahrzeug charterten und am Samstag in aller Frühe aufbrachen. Die Autobahn war dieser Uhrzeit noch beruhigend leer und dementsprechend gut kamen wir voran. Das Navigationsgerät orakelte uns sogar eine Ankunftszeit von 12 Uhr Mittags voraus.

Ganz wollten wir uns nicht auf das Navi verlassen und bogen bei Unna statt auf die unbeliebte A2 auf die A44 ab. Diese Strecke ist etwas länger, aber in weiten Teilen (besonders im weiteren Verlauf über die A38) recht gering befahren. „Alles Richtig gemacht!“ stellte das Navi unwillig fest, in dem es die Ankunftszeit nochmals um drei Minuten nach unten korrigierte. Klasse!

Auffällig viele Pannen wurden am Rande registriert und dabei mitleidig festgestellt, dass man um nichts in der Welt an Heiligabend frierend an der Autobahn stehen und auf den Abschleppdienst warten wollte.

Keine zehn Minuten später zerstörte ein auf der Fahrbahn liegendes Kantholz alle Reifen nebst Felgen auf der Beifahrerseite und damit unsere Vorstellungen eines unbeschwerten Weihnachtsfestes. Naja, sehen wir es mal positiv: Wann bekommt man schon die Chance bei Tempo 160 das Platzen zweier Reifen aus nächster Nähe zu erleben und schafft es dann trotzdem davon völlig unbeeindruckt den Mercedes-Benz am Straßenrand zum Stehen zu bringen?

Dass das Kantholz weitere acht bis zehn Fahrzeuge erwischt und beschädigt hatte, die nun auf mehreren hundert Metern am Rande der Autobahn verteilt standen, tröstete keineswegs. Das Warnblinkgewitter am Fahrbahnrand hatte zudem wenig Weihnachtliches an sich. Es war kalt, nass und noch nicht richtig hell am Himmel.

Ein von der Polizei eigens für uns veranstalteter Autokorso (andere sagen auch Stau dazu) war ein recht sehenswertes Ereignis und eine gelungene Abwechslung an diesem Samstagvormittag auf der A44 bei Kassel. Aber das kommt sicher auf die Perspektive des jeweiligen Betrachters an.

Eine gute halbe Stunde später wurde unsere Fahrt auf einem Abschleppfahrzeug fortgesetzt. Dem folgte eine kurze Taxifahrt quer durch Kassel. Mit viel schwarzem Humor wurde das mehrfache End- und Beladen unseres mitgeführten Hausstandes (Weihnachtsgeschenke halt, etwas Gepäck und ein leerer Kasten Bier) erledigt und mit knapp zwei Stunden Verspätung konnte dann die Reise im Ersatzauto fortgesetzt werden. Erwähnenswert ist hierbei, dass direkt die falsche Autobahnauffahrt erwischt wurde, was uns weitere fünf Minuten vom Weihnachtswochenende kostete. Am frühen Nachmittag wurde das Ziel letztendlich dann doch erreicht, es war also noch genügend Zeit bis zur traditionellen Bescherung unterm Weihnachtsbaum.

Der erste Feiertag, also Sonntag, wurde zum allgemeinen Kaloriensammeln genutzt. Und das recht erfolgreich. Auch das zählt in zwischen fest zur weihnachtlichen Tradition dazu. Warum sich also darüber beschweren?

Dann kam der zweite Weihnachtstag und damit die Rückreise. Und diese war unglaublich ereignislos. Keine Staus, keine Meldungen von Tsunamis (wie etwa vor zwölf Jahren während unserer damaligen Heimfahrt) und auch keine verdammten Balken, Kanthölzer oder Holzscheite, die sich auf dem Asphalt langweilten. Sechs Stunden nur Autobahn, Sonne, Wolken und Langeweile.

Daheim angekommen standen insgesamt etwa 1400 Autobahnkilometer auf dem Tacho. Und damit noch nicht genug gejammert: Die Reparatur-Rechnung der Automobilverleihfirma wird uns in wenigen Tagen schmerzhaft an Weihnachten 2016 erinnern und uns mit einem wahrscheinlich vierstelligen Betrag mahnen, künftig nur noch Kaskoversicherungen ohne Selbstbeteiligung abzuschließen und gleichzeitig Reifen, Scheiben, Unterböden, Fahrzeugdächer und die Außenspiegel extra zu versichern. Aus Schmerzen lernt man manchmal. Und diesmal ganz sicher. Sonst gibt es im nächsten Jahr Prügel mit der Rute.

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