Eine kleine Auszeit wäre nicht schlecht. Einfach mal pausieren, raus aus dem Alltag und rein in bislang unbekannte Sphären. Die Akkus auftanken, Sachen machen, die sonst mangels Freizeit stets hinten runterfallen, eine Weltreise unternehmen, den Jakobsweg beschreiten oder Lachse in Lappland fischen. Ja, das würde mir gefallen.
So etwas ist heutzutage kein bloßes Wunschdenken mehr. Es gibt längst das eine oder andere Modell, in dem man über Monate seine Überstunden anspart, über Jahre auf einen Teil des Jahresurlaubs verzichtet oder einfach unbezahlten Urlaub nimmt. Aber wie man es auch dreht – man verzichtet vorher auf viel oder muss sich während der Auszeit derart einschränken, dass die ganze Sache eigentlich schon wieder an Reiz verliert.
Unbezahlter Urlaub etwa: man hat zwar einen sicheren Job der im Anschluss wartet, doch irgendwann wird das Geld knapp und der Urlaub verliert schlagartig an seiner wohltuenden Wirkung. Es sei denn, man weiß sich sparsam durchs Leben zu schlagen, lebt in Regionen, wo man mit dem Euro ein fürstliches Leben führen kann oder ein prall gefülltes Konto läßt einem längst nicht mehr über Geld nachdenken.
Sich die Auszeit zu ersparen indem man zuvor auf Teile des Urlaubs oder komplett auf Überstunden verzichtet, klingt im ersten Moment recht reizvoll. Doch in Wirklichkeit wird man dadurch wohl erst recht urlaubsreif.
Okay, nehmen wir mal an, man erfüllt eines Tages alle Vorraussetzungen und meldet sich für drei Monate ab. Man fährt den Rechner runter, macht das Licht aus und schließt das Büro ab. Und dann ist man raus. Das Wort „egal“ wird zur Lebensmaxime und in den kommenden Wochen wird endlich all das nachgeholt, was in den vielen Berufsjahren zuvor nur Wunschdenken war.
Doch viel zu schnell sind diese drei Monate vorbei. Es folgt jener Montag, an dem man morgens die Bürotür aufschließt, das Licht wieder anmacht und den Rechner startet. Man schaut ins übervolle Postfach und spätestens nach dreißig Minuten hat einen der Alltag voll im Griff. Weitere zwei Stunden später verflucht man seinen Job und spätestens am folgenden Tag merkt man, dass die so mühsam aufgeladenen Akkus sich bereits in Rekordzeit entleeren. Es ist nun nur noch eine Frage der Zeit, bis man erneut dringend Urlaub benötigt und sich schließlich der Teufelskreis schließt.