(Danzig, Mai 2024)
Wir sind in irgendeiner polnischen Großstadt unterwegs und folgen den Ratschlägen unseres Navigationsgerätes. Unsere Route führt uns durch Gegenden die noch nie ein Tourist zuvor gesehen hat. Die Straßen befinden sich überwiegend in einem äußerst zweifelhaften Zustand, die uns um unseren Leihwagen bangen lässt. Wir rumpeln mit dem Astra eine in die Jahre gekommene Betonstraße lang. Die Plattenbauten rechts und Links wirken wenig einladend. Die Einwohner dieser Gegend findet man eher selten inmitten des Trubels der von Touristen überrannten Innenstadt.
Hier draußen lebt der polnische Traum in seinen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Ich bilde mir das wenigstens ein. Zwischen den altersschwachen Plattenbauten entstehen und sterben Träume am Fließband. Anders als in Deutschland bemühst sich niemand darum, den Einwohnern in diesen Regionen wenigstens den Anschein zu geben, dass sie vollwertige Mitglieder einer gerechten und sozialen Gesellschaft sind. Vielleicht ist das auch gut so. Ein Mensch, der sämtliche Träume und Visionen verliert, weiß woran er ist. Er wird weit motivierter um seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft kämpfen, und er weiß zu kämpfen, da er sein ganzes Leben nichts anderes getan hat.
In unseren Breiten wird jedem weisgemacht ein nützliches Wesen in einer dankbaren Welt zu sein. Was aber, wenn wir feststellen, ein Leben lang belogen und ausgenutzt worden zu sein? Werden wir rebellieren? Können wir das überhaupt, da wir nie zu kämpfen gelernt haben? Oder zucken wir nur mit den Schultern und fügen uns unserem Schicksal? Der Frust muss erschlagend wirken. Kaum einer wird damit klar kommen, womit bewiesen ist: Der polnische Traum ist hart aber durchaus lebenswert.