Das Hamburger Grau

An einem Montagmorgen inmitten des Novembers versuche ich einigermaßen ernsthaft auf die Füße zu kommen und irgendwie in den Tag zu starten. Das gerade erst vergangene Wochenende verhielt sich so wie ich es gewünscht hatte. Indisches Essen, Spziergang durch die Schanzengegend, Fischbrötchen an den Landungsbrücken und als krönenden Abschluss gab es ein feines Konzert eines Berliner Elektro-Trios. Letzteres fand zwar am Arsch der Welt statt (womit bewiesen wäre, dass sich dieser in Hamburg befindet), aber dazu später mehr. Das eigentliche Highlight des Wochenendes war, dass ich es mit meiner Tochter verlebte. Seit sie sich es in Hamburg bequem machte war die gemeinsame Zeit arg rar geworden. Man lebte sich gewissermaßen auseinander und der erblich bedingte Dickschädel tat sein Übriges. Dieses Wochenende tat also Not und hielt was es versprach. Die Tochter gab sich als perfekter Gastgeber und Fremdenführer. Noch vor dem Wochenende hätte ich gemeint, dass ich auf letzteres verzichten könne. Hamburg ist mir so fremd nun auch nicht und der eine oder andere Besuch in der Hansestadt lässt da einen auch schnell leichtsinnig werden. Doch grad der Großstadtdschungel fernab der Touristenziele ist trügerisch. Dazu dann der Besuch des Konzertes in der Festphilarmonie irgendwo im Hafengebiet, erreichbar nur per Shuttlebus, Fahrrad oder PkW - wobei letztere gar nicht zur Debatte standen. Dank meines großartigen Führers war letztendlich An- und Abreise kein Krampf und der Hype des grad erlebten lebte noch lange nach. Hamburg, eigentlich eine großartige Stadt, die ich immer wieder gerne besuche. Und das schon tat, bevor mein Nachwuchs hier Wurzeln schlug. Hamburg - das ist aber auch stets eine Konfrontation mit dem Wetter und grad das sorgt grad für wenig Begeisterung. Tiefgekühlte präsentiert sich der Himmel, ganz so, als möchte er das letzte Wochenende wohl konserviert im Gedächtnis belassen. Bloß nicht mit Sonnenschein eine neue Woche einleiten und die Müdigkeit verscheuchen, die mich heute in ihrem eisernen Griff hat. Gut, die Bahn fährt erst in einigen Stunden, kein Grund in Stress oder derartigem zu verfallen. Gehen wir den Tag langsam an und ignorieren dieses Grau. Ich bin mir sicher, dieser Plan wird schon irgendwie aufgehen.