Eine Zugfahrt im RE1 von Köln nach Aachen

Das Leben im Machtbereich der deutschen Beförderungsbetriebe ist schon immer voller Zauber, Verwirrungen und ein Spiegel des Schwachsinns, den der Durchschnittsbürger für grenzenlose Normalität hält. So sitzen wir in einem Grossraumabteil, welches sich auf dem Kölner Hauptbahnhof erst schlagartig leert um sich jedoch kurz darauf ebenso schlagartig zu füllen. Direkt vor uns nimmt eine Frau mit Tochter und zwei Hunden Platz. Die etwa 10-11 jährige Tochter redet mit Migräneartig verzerrtem Gesicht von „dieser Stress wieder“. Ein Wunder, dass sie sich nicht direkt eine Handvoll Schmerztabletten einwirft und mit nem Bourbon nachspült. Die Mutter macht es inzwischen der Fusshupe, also einem mit Tüchlein und Schmuckhalsbsnd verzierten Köter im Kleinformat, auf einem der freien Sitze bequem. Hund zwei nimmt freiwillig unter dem Sitz Platz und winselt Brad vor sich hin. Währenddessen füllt sich der Wagon, einige alte Leutchen finden leider keinen freien Platz mehr und müssen stehen. Junge Keute, die sicher des Freitags für die Verbesserung dieser Welt auf die Straße gehen, kümmert es natürlich nicht, dass hier Rentner stehen müssen. Den Hunden geht es auch am Hintern vorbei. Und mir? Erst recht. Mit dieser Welt stimmt was nicht und in meinem Alter registriert man das lediglich mit einem Schulterzucken. Der Elan etwas ändern zu wollen oder zu können ist längst verflogen. Aber vielleicht gibt mir die Kleine was vom Bourbon ab, den sie ganz bestimmt in ihrer Tasche versteckt hat. Für ganz spezielle Momente, einen wie diesen hier. Zeit auszusteigen…