Schweden | nächstes Kapitel >>
Im Spätsommer 2024 plant mein Bruder seinen fünfzigsten Geburtstag im engeren Familienkreis in Stockholm zu feiern und lädt dazu die engere Verwandschaft ein. Einer solchen Einladung pflegt man natürlich auch nachzukommen. Zumal mein Bruder inmitten finsterster Coronazeiten eigens aus Schweden angereiste um bei meinem eigenen Fünfzigsten dabei zu sein. Es steht also außerfrage, wo wir uns Anfang September 2024 befinden werden. Wir werden eben mal schnell über die Ostsee fliegen, um beim Ausblasen von fünfzig Kerzen helfen zu können, so jedenfalls die Idee.
Bei aller Vorfreude auf Schweden stellt sich jedoch schnell die Frage nach Aufwand und Nutzen. Hin- und Rückreise, Unterkunft und Verpflegung, all das kostet zu heutigen Zeiten nicht gerade wenig. Doch nicht nur die Kosten geben uns zu denken. Esther leidet unter Flugangst und wenn sie die mal überwindet, dann sollte sich das auch lohnen. Warum also den Aufenthalt in Skandinavien nicht als Urlaub etwas ausdehnen? Eine ganze Woche, um Stockholm genauer kennen zu lernen? Zwei Wochen um auch Stockholms Umgebung zu erkunden? Oder drei Wochen um ganz Schweden zu bereisen? Die Idee ist also geboren, jetzt müssen wir den Faden nur weiter spinnen. Das neue Haus meines Bruders Mark kennen wir noch nicht. Warum dort nicht vorbeischauen, wenn wir eh schon in Schweden sind? Jedoch wollen wir diesmal anders als zuletzt 2012 unseren Urlaub nicht komplett bei Mark verbringen. Seine neue Heimat kennen wir in weiten Teilen, während andere Regionen Schwedens noch immer darauf warten von uns erobert zu werden. Das Ende vom Lied: der Trend geht hin zum mobilen Urlaub mit vielen Hotels, vielen Sehenswürdigkeiten und verdammt vielen Kilometern auf der Straße.
Im Spätherbst 2023 beginnen wir mit konkreteren Planungen. Kurzzeitig überlegen wir, uns einfach zurückzulehnen und einem Reisebüro sämtliche Reiseplanungen zu überlassen. Bei den Überlegungen bleibt es allerdings auch, wir werden die Organisation des Urlaubs komplett selbst in die Hand nehmen. Es gilt einen Zeitplan abzustecken. Welche Orte kommen in Frage und wie lange wollen wir dort jeweils verweilen? Die Frage des Zeitraumes war schnell geklärt. Ende August ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Wetter noch recht spätsommerlich ist. Neben An- und Abreise nach Schweden sowie der Geburtstagsfeier gibt es einen weiteren Fixpunkt auf unserer Tour: Wir wollen Marks Familie im Ångermanland einen Besuch abstatten und das zu einer Zeit, in der alle daheim sind, nämlich am Wochenende.
Bei der Buchung der Hotels liegt unser Augenmerk in erster Linie darauf, dass das Hotel Bettwäsche und Handtücher anbietet. So etwas ist in Schweden beileibe nicht selbstverständlich. Natürlich ist auch ein Frühstück im Hotel wünschenswert, aber halt nicht überall möglich. Und damit sind wir mit unseren Kriterien bei der Auswahl der Unterkünfte auch schon am Ende. Eine Kleinigkeit haben wir dabei jedoch vergessen, welche uns später arg die Stimmung vermiesen wird. Doch dazu dann mehr, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und wir mit der Situation leben müssen.
Der Trip selbst wird am Flughafen Stockholm-Arlanda beginnen. Von dort soll uns die Tour westwärts ins Landesinnere führen. Weiter geht es gen Norden ohne der Küste erst einmal zu nahe zu kommen, um dann anschließend an der Küste die Strecke zurück nach Stockholm zu fahren. Die einzelnen Etappenziele sollen nicht weiter als drei Autostunden voneinander entfernt sein. Die Fahrtzeit kann sich aufgrund von ungeplanten Stopps etwas verlängern. Was auch immer da am Straßenrand Sehenswertes steht soll nicht umsonst auf uns gewartet haben. Vor Ort werden wir zweimal übernachten, um einen kompletten Tag zur Erkundung der jeweiligen Region zu haben. Somit stehen die wesentlichen Eckpunkte der Reise, womit wir nun in die Feinplanung übergehen.
Sonntags geht offenbar kein Direktflug gen Stockholm, hingegen am Montag gleich mehrere Alternativen zur Wahl stehen: entweder sehr früh morgens mit Eurowings ab Düsseldorf oder am Nachmittag mit der Lufthansa ab Frankfurt am Main. Die Flugpreise sind nahezu identisch, also gibt die moderate Abflugzeit am Nachmittag den Ausschlag zugunsten von Frankfurt. Wir benötigen zwar mehr Zeit für die Anreise zum Flughafen, aber die findet halt gegen Mittag und nicht unnötigerweise schon mitten in der Nacht statt.
Wir werden am späten Montagnachmittag in Stockholm-Arlanda landen. Den Roadtrip noch am selben Tag zu beginnen erscheint etwas stressig. Deshalb macht eine Übernachtung in Flughafennähe Sinn, so dass wir am Dienstagmorgen ausgeschlafen durchstarten können. Das erste Ziel wird Mora in der Provinz Dalarna sein. Warum ausgerechnet Mora? Mir gefällt der Name! Einige B&B-Hotel haben geöffnet, wir entscheiden uns für eines, dass nicht mit einem „rein veganem“ Frühstücksbuffet glänzen möchte. Nach zwei Übernachtungen in Mora geht's weiter. Wenn wir am Freitag in Ullånger, dem nördlichsten Punkt unserer Reise, ankommen wollen, dann braucht es unterwegs einen eintägigen Stopp. Ein Tierpark in Järvsö bietet sich als Etappenziel bestens an. Schwieriger erweist sich hier die Suche nach einem Hotel. Wir werden erst dreißig Kilometer südlich von Järvsö entfernt fündig. Das Besondere an diesem Hotel: wir buchen ein Zimmer mit Etagenbett und werden sicher unseren Spaß damit haben, bevor wir unsere Tour bis nach Ullånger fortsetzen. Es folgt das Wochenende bei meinem Bruder.
Am Sonntagmittag startet dort die Rücktour gen Süden. Etwa auf der Hälfte der Strecke nach Stockholm finden wir eine Bleibe in Enågner bei Hudiksvall. Zwei Übernachtungen später brechen wir dort die Zelte ab und zum vorletzten Etappenziel auf: Uppsala. Schnell findet sich ein ein kleines B&B-Hotel, welches jedoch wenig später storniert. Das Online-Portal, über welches wir alle Unterkünfte bislang buchten, bietet uns eine Alternative etwas weiter von Uppsala entfernt an. Wir greifen zu, auch wenn dieses Hotel alles andere als preiswert ist. Nach zwei Übernachtungen geben wir am Flughafen den Leihwagen ab und begeben uns zur Geburtstagsfeier nach Stockholm. Um die Hotelbuchung in Stockholm brauchten wir uns Dank Mark und Christina nicht kümmern. Nach unserem Flugausfalldilemma in Prag vor einem Jahr zeigen wir uns lernfähig und planen den Rückflug diesmal an einem Samstag. So haben wir mit dem Sonntag einen Tag Ruhe, bevor uns der harte Arbeitsalltag wieder einholt.
Die Route steht, die Hotels und der Leihwagen sind gebucht - der Urlaub kann also kommen.
Noch ein Wort zu den Orten, die schweren Herzens aus der Planung gestrichen worden. So verzichten wir auf einen Besuch des kultigen Autofriedhofs Båstnäs nahe der norwegischen Grenze. Der Schrottplatz liegt etwa 430 Kilometer westlich von Stockholm letztendlich zu weit entfernt um diesen in eine zwölftägige Runde zu integrieren. Östersund liegt um einiges näher und würde auch ein vortreffliches Etappenziel abgeben. Hätten wir statt der zehn ganze vierzehn Tage Zeit, dann würde unser Tourenlayout einem Viereck gleichen mit Östersund als einem der vier Eckpunkte. Der Tierpark in Järvzö wäre in diesem Fall allerdings raus. Aber wäre wäre Fahrradkette (oder so ähnlich). Der Tierpark blieb und Östersund wurde gestrichen.
Die Zeit zieht ins Land und urplötzlich steht der langersehnte Urlaub vor der Tür. Anschnallen und los geht es…