(2011)
Am Neujahrstag 2011, etwa gegen Mittag, verabschiedet sich klangheimlich meine DSL-Verbindung. Eben noch einen Mausklick von den Tiefen des Internets entfernt und nun gähnende Leere auf dem Bildschirm. Telefoniert wird seit einigen Monaten nicht mehr über den Festnetzanschluss, sondern per Voice over IP, was letztendlich nichts anderes als Internettelefonie ist. Und damit war das Telefon ebenso tot wie das Internet.
Zum Glück gibt´s Mobiltelefone. Wenn auch der Empfang in meinen heiligen Hallen eher mäßig ist, so erreichte ich irgendwann den Kundendienst meines Internetproviders. Das Problem wurde geschildert, erste Lösungsansätze ausprobiert und viel Geduld verschwendet. Ein Firmware-Update der Routersoftware zeigte keine Wirkung. Das Ziehen aller Kabelverbindungen blieb ebenso erfolglos wie mehrmaliges Neustarten des Routers. Das Tor zum seeligen Online-Vergnügen blieb verschlossen.
Ich besaß noch eine alte, im Funktionsumfang arg limitierte Fritzbox 7113. Zum Testen tauschte ich die beiden Geräte und war erstaunt, dass das Altgerät hin und wieder ein DSL-Signal entdeckte, wo die neuere modernere Fritzbox 7240 konsequent jedwede Arbeit mangels Signal einstellte. Die Auflösung dieses Phänomens sollte noch lange auf sich warten lassen, um genau zu sein noch exakt 69 Tage, aber es war nicht der Grund meines Offline-Leidens.
Die Auswertung der Verbindungsprotokolle wies aber auch noch eine weitere Überraschung auf. Die neue Fritzbox wähnte sich laut Protokoll im Jahr 1970. Später wurde ich aufgeklärt, dass die Fritzbox die aktuelle Zeit aus dem Internet bezieht - wieder eine mögliche Fehlerquelle weniger.
Irgendwann war die unendliche Weisheit des Hotline-Technikers erschöpft, ein Haustermin wurde vereinbart und ich um etwas Geduld gebeten.
Zwei Tage später endlich der mit der Hotline abgesprochene Termin mit dem Servicetechniker zur pseudokonkreten Uhrzeit zwischen 14 und 20 Uhr. Aber niemand erschien. Ein Tag später ein Anruf der Telekom zwecks Vereinbarung eines Technikertermins. Häh? Mir war eigentlich egal, mit wem ich Termine abspreche – solange mir geholfen wird, von wem auch immer. Der Telekom allerdings weniger, da sie sich nicht von Fremdfirmen Termine für die eigenen Serviceleute vorschreiben lassen wollte. Also gab es einen neuen Vor-Ort-Termin, diesmal mit einem Telekom-Techniker.
Überraschung: auch zu diesem Termin erschien kein Servicemitarbeiter und ich wählte erneut die achtstellige Nummer der Hotline. Mein heutiger Gesprächspartner war ein Vertreter der weniger angenehmen Art Support-Mitarbeiter. Schwer genervt lies er sich überreden, mich über die Umstände aufzuklären, weshalb ich gleich zwei Körbe von den Vor-Ort-Technikern erhalten habe. Um dies aufzuklären legt er mich kurz in die Warteschleife. Dreissig Minuten unglaublich öder Warteschlangenmusik später gab ich endlich auf und legte auf. Um gleich wieder anzurufen. Ich hatte nach dem üblichen Hotline-Empfangsgedusel meinen alten Gesprächspartner erneut an der Strippe, der jedoch etwas verdutzt war, vermutete er mich doch kaltgestellt irgendwo im Wartenschlangen-Nirvana.
Nun wurde mir erklärt, dass der Techniker noch kein Protokoll geschrieben hätte, er also nichts genaueres erzählen kann. In der Regel sei es aber so, dass der Techniker irgendwo in der freien Natur an diversen Schaltkästen tätig war und das Problem nun bereits gelöst sei. Eine Bestätigungs-SMS werde ich noch erhalten (was unmittelbar nach Beendigung des Telefonats auch geschah). Doch das Problem war nicht gelöst, und so wurde wieder einmal um Geduld gebeten. Man wolle einige Tests durchführen und dann zurückrufen. Wer's glaubt…
Es reichte! Ich schrieb einen bitterbösen Brief an meinen Provider. In aller höflichster Form bat ich um eine sofortige Schadensbearbeitung sowie um sofortige Vertragsauflösung für den Fall, dass deren Inkompetenz all zu offensichtlich wird. Oder besser: „Wenn ihr euch sich außer Stande seht, mich mit so viel Internet zu füttern wie ich essen kann, dann lasst gefälligst andere ran!“
Weiterhin verlangte ich eine Verrechnung der internetfreien Zeit. Wer zahlt schon gern für eine Leistung, die er nicht erhält. Und damit die ganze Geschichte würdevoll abgerundet wird, setzte ich diesem merkwürdigen Verein eine Galgenfrist bis zum Ende des Monats. Briefmarke druff und weg damit!
Ob jemals tatsächlich Tests durchgeführt wurden ist mir unbekannt, aber zumindestens wusste der meist freundliche Mitarbeiter meines so sehr ans Herz gewachsenen Providers stets bestens Bescheid, welche Fritzbox ich derzeit angeschlossen hatte. Erstaunlich, denn das bedeutete ja, dass die Leitung irgendwie funktionieren musste.
Aber ansonsten brachten mich die vielen Tipps und Ideen allabendlichen Meinungsaustausch mit den ständig wechselnden Hotline-Mitarbeitern kein Stück weiter. In der Regel saß ich vor meinem zur Offline-Tätigkeit verdammten Rechner, starrte auf das Routerprotokoll und suchte vergeblich nach DSL-Anzeichen. Die Herren und Damen am anderen Ende der Leitung klickten sich parallel durch diverse Menüs und Analysetools und merkten auch, dass ihnen langsam die Ideen ausgingen.
Es ist eigentlich ganz angenehm, wenn es Dinge in dieser schnelllebigen Welt gibt, die sich so schnell nicht ändern. Ich fand es weniger angenehm, aber genau so war es bei mir halt auch - mein Draht ins weltweite Web blieb tot und nichts schien daran etwas ändern zu können.
Am Samstag wählte ich schon recht widerwillig die Servicenummer meines Providers. Eine ganze Woche war vergangen und nichts hatte sich am alles andere als zufriedenstellenden Zustand geändert. Der zugegeben ausgesprochen freundliche Mitarbeiter beteuerte sein Bedauern über diese unglaublich bedauernswerte Situation und bat um ein wenig mehr Geduld. Natürlich, was sonst. Es wird immer um das am seltensten vorhandene Gut gebettelt.
Ich teilte dem Herrn mit, dass ich gern meine heimische Telefonleitung durchmessen lassen würde. In vielen Bereichen meines Hauses wurde zu unterschiedlichsten Zeiten immer wieder ein wenig herumgepfuscht, was ich nun des Öfteren leidlich zur Kenntnis nehmen muss. Und ein Kabelbruch an irgendeiner Stelle im Haus wäre durchaus denkbar.
Zudem bestand ich auf einen Tausch der neuen Fritzbox 7240, um damit eine weitere Fehlerquelle auszuschliessen. Denn wenn die alte Fritzbox 7113 halbwegs so funktioniert, dass wenigstens ein Signal an meinem Hausanschluss vermutet wird, dann scheint doch da irgendwas im Argen zu liegen. Um meine Geduld nun nicht noch überzustrapazieren oder weil eine bessere Lösung nicht greifbar war, wurde meiner Bitte stattgegeben.Spätestens am Montag würde sich zudem ein weiterer Mitarbeiter meines Internetanbieters telefonisch bei mir melden. Weil Wochenende war und deshalb eh keine Lösung zu erwarten ist? Oder weil immer noch getestet wird?
Am folgenden Montag dann die Überraschung: Die Fritzbox 7113 hatte eine DSL-Verbindung aufgebaut, das Telefon funktionierte daher auch und ein Blick ins Protokoll sagte mir: Das neugewonnene Internet-Glück bestand schon seit neun Uhr morgens. Meine Frau nutzte die Gelegenheit alle bislang unerledigte Anrufe nachzuholen. Die Rechner belästigten die Email-Clients und ich ertappte mich beim Gedanken, mich telefonisch bei der Hotline für die gute Arbeit zu bedanken.
Als ich dann am Abend, übermütig geworden, nochmals einen Blick ins Internet werfen wollte, war außer der Verbindung ins Online-Paradies auch der Schreiber dieses Textes schwerstens gestört. Rein protokollarisch lief die Fritzbox auf Hochtouren, Verbindungstests und Verbindungsabbrüche kämpften um statistische Höchstwerte.
Arg geknickt und mit ordentlich Frust im Bauch wählte ich erneut die Servicenummer meiner Internetgötter und vermutete rein akustisch den Mitarbeiter der Hotline am Apparat zu haben, welcher mich schon Tage zuvor für dumm verkaufte. Hatte er vielleicht recht damit? Verlor ich nun in den unendlichen Weiten des Hotline-Wahns den letzten Rest einer nie restlos nachgewiesenen Intelligenz? Mein geschildertes Problem tangierte ihn nicht im geringsten, er berief sich auf die gerade laufende Schadensbearbeitung (der Routertausch) und dass somit eine zweite Schadensbearbeitung nicht möglich sei.
Dieser Mann verdiente eigentlich körperliche Schmerzen im Überfluss, die ihn zum Unmut vieler Nutzer niemals ereilen. Ich vermute, er genießt es sogar, für seine gepeinigten Opfer unerreichbar zu sein.
wei Tage später traf der Router endlich daheim ein und - wie sollte es auch anders sein - das Internet blieb tot. Ich wurde nun gebeten, künftig nicht mehr die alte Fritzbox 7113 zu verwenden, sondern ständig die neue Fritzbox 7240 am Netz zu lassen. Der Telefonkrampf setzte sich täglich fort und läßt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Bitte haben Sie Geduld – wir testen!“
Es wurde Zeit für eine Luftveränderung, ich nahm mir erst einmal eine zweiwöchige Auszeit in Form einer Dienstreise nach Dresden. Während dessen kämpfte meine Frau einen aussichtslosen Kampf mit den Hotline-Technikern. Zwei Wochen, in denen wirklich nichts geschah, mit Ausnahme zwei weiterer Vor-Ort-Termine, bei denen natürlich wieder niemand erschien und einiger „Hurra, es läuft!“-SMS zur Motivation.
Ich kehrte aus Dresden zurück und sah mich mit der selben Situation konfrontiert wie vor meiner Abreise. Die Ansage am Telefon lautete nun immer öfter „Unser Fall hat höchste Priorität, es wird getestet, wir sollen noch ein wenig mehr Geduld haben und man wird uns zurückrufen“. Wenn überhaupt wer anrief, dann die Telekom zwecks Terminabsprachen, welche aber auch merkwürdigerweise nicht eingehalten wurden.
Besonders aufregend empfand ich die in unregelmäßigen Abständen getätigte Aussage der Hotline, dass unsere Meldung als gelöst ad acta gelegt war. Ich möchte nicht wissen, wie viele Statistiken somit geschönt wurden. Insgesamt wurden wahrscheinlich allein in meinem Fall 1-2 Dutzend Fehlermeldungen als „Neue Meldung“ registriert und in regelmäßigen Abständen wieder als gelöst markiert, so dass in Wirklichkeit keine Meldung älter als 3 oder 4 Tage wurde.
Ein Monat war nun ins Land gezogen, wenigstens mein Brief zeigte Wirkung und ich erhielt meine monatlichen Gebühren für den Januar zurückerstattet. In Sachen DSL blieb alles beim Alten, die Situation war zum Heulen.
Routine hielt Einzug in mein Internetloses Heim. Völlig Internetlos? Naja, nicht wirklich, neben einer UMTS-Karte für unglaublich langsames Internet konnten wir - wie bereits erwähnt - zeitweilig über das Netzwerk den Internetzugang meines Vaters nutzen.
Das Telefon blieb allerdings still und genau diese Stille genossen wir aus vollen Zügen. Keine nervigen Werbeanrufe, keine Lotterie, die mir einen Millionengewinn mitteilte und keine ausländischen Callcenter-Belästigungen. Die Ruhe war himmlisch, aber leider kein Zustand für die Zukunft, denn langsam musste sich etwas tun.
Inzwischen ersparte ich mir langes Gerede am Handy, sondern verwies dem geduldigen Callcenter-Mitarbeiter auf die ellenlange Liste von telefonischen Meldungen in seinem Rechner. Das schonte die Nerven, sparte Zeit und dem Service-Techniker sparte es eine Menge unnützer Fragen. Aber wirklich viel gebracht hatte das wieder nix. Amüsant waren nur die technischen Probleme auf der anderen Seite der Leitung. Einmal stürzte der Rechner ab, dann funktionierte hier und da ein Programm nicht, aber meistens lahmte irgendeine Datenbank und sorgte für lange Pausen peinlicher Stille in der Handyleitung. Momentane Leitungsarbeiten seitens der Telekom waren übrigens die neuste Ausrede der Damen und Herren seitens des nicht näher genannten Providers und dessen Möglichkeit einmal mehr auf Zeit zu spielen.
Neuerdings gelang es der Fritzbox tagsüber immer wieder mal eine halbwegs stabile Verbindung aufzubauen, welche ebenso sicher wie das Hallelujah stets zum Abend abbrach. Die DSL-Verbindung bestand immer zu solchen unseeligen Zeiten, zu denen einen erwerbstätiger Mensch nicht daheim ist. Soll heißen Montags bis Donnerstag von neun bis achtzehn Uhr, Freitags immerhin noch vormittags und am Wochenende war die Leitung so tot wie schon die Wochen zuvor.
Diese zeitweiligen Verbindungen sorgten bei einigen unfreundlichen Hotline-Mitarbeitern zu unverhohlenem Unverständnis. Diese monierten die nicht enden wollenden Reklamationen des offensichtlich inzwischen funktionierenden Internetanschlusses. Mehrfach wurde unsere Fehlermeldung direkt als gelöst abgehakt und am folgenden Abend wieder erneut als ungelöst gemarkert. Ein göttliches Durcheinander, gepaart mit Frust, Ärger und Ungeduld. Deshalb wähnte ich mich im Glück, erneut Sachsens Metropole aufsuchen zu dürfen. Ich verzog mich also erneut zu diversen Lehrgängen nach Dresden und überlies das unendliche Problem sich selbst und der Geduld meiner Frau.
Da wir, wie mehrfach schon erwähnt, während der gesamten Zeit nur übers Mobiltelefon erreichbar waren und umständehalber dem Kundendienst die Nummer des Handys meiner Tochter angaben, bekam diese nun den einen oder anderen Anruf. Natürlich immer zur passendsten Zeit, im ICE nach Berlin oder in irgendeinem Museum in Köln. Und wieder ging es um Termine mit Serviceleuten, inzwischen Nummer fünf und sechs. Doch wie so oft zuvor wurde unser Warten nicht belohnt. Die Ausreden wurden immer geistreicher. Von „Niemand zu Hause“ bis „die Adresse konnte nicht gefunden werden“. Irgendwie nassforsch, aber yeah – in Dresden war es derart kalt, dass mein Blutdruck noch nicht einmal dreistellige Werte annahm, wenn ich solch geistreiche Beiträge zur Kenntnis nahm. Die folgende Geschichte sorgte da für deutlich mehr Aufregung…
Inzwischen begann mein Vater im Nachbargebäude ebenfalls über zeitweilige Verbindungsabbrüche zu klagen. Obwohl es einen gewissen Unterschied ausmacht, kurzzeitig offline zu sein oder „offline“ als Allgemeinzustand zu bezeichnen. Doch ist mein Erzeuger weitaus öfter in geschäftlichen Dingen online unterwegs, insofern man Online-Auktionen so bezeichnen darf. Klar, hier tun Verbindungsunterbrechungen erst recht weh.
Mein Dad versuchte inzwischen selbst sehr geduldig eine telefonische Dauerfreundschaft zur Hotline aufzubauen. Mit merkwürdigen, mich arg verunsichernden Ergebnissen. So erhielt er Mail, die nicht nur ihn selbst betrafen, sondern auch meinen Anschluss. Man bat um eine Telefonnummer, damit man mit mir Kontakt aufnehmen könne, bzw. darum, dass ich selbst mich telefonisch melde, damit man einige Lösungsansätze probieren könne. Häh? Weiss bei diesem Verein die eine Hand nicht was die andere macht?
Mit einem mal hieß es, wir wären doch eigentlich überwiegend online unterwegs, würden tagsüber telefonieren und das Internet unsicher machen. Unsere DSL-Verbindung scheint also problemlos zu funktionieren, nur dass wir davon leider nichts mitbekamen.
Da ich mich dummerweise in der sächsischen Landeshauptstadt befand, musste ich dies verwirrt und verärgert ohne Gegenwehr über mich ergehen lassen. Ich konnte es nun kaum noch erwarten, mal wieder nach Hause zu kommen. Was am 26.02. endlich der Fall war, nun konnte ich wieder aktiv in die Geschichte eingreifen. Die innerfamiliären Missverständnisse konnten schnell bei einem kühlen Bier ausgeräumt werden. Und fortan ging es mit vereinten Kräften gegen den gemeinsamen Feind!
Mit frischem Mut, ausgeruht und hoch motiviert ging es nach nun mehr 57 Tagen in die nächste Runde. Diese begann in Form von Brief Nummer zwei, mit der begründeten Hoffnung, wenigstens für diesen verlorenen Monat die abgebuchten DSL-Kosten erstattet zu bekommen. Und natürlich ein wenig mehr Druck auszuüben. Vielleicht tut sich doch endlich mal etwas…
Der März ist angebrochen - Monat drei unserer Online-Abstinenz. Durch die stetig zunehmenden Verbindungsabbrüche am Anschluss meines Vaters schlug seine anfängliche Zuneigung in anständiger Verachtung gegenüber unserem gemeinsamen Provider um.
Inzwischen war die Rechnung für die DSL-Nutzung für Monat Februar eingegangen, das Geld war natürlich sofort abgebucht worden. Money for nothing. Schön, wenn wenigstens das funktioniert! Mein Provider ging also vollends davon aus, dass längst alles in bester Ordnung sei. Wir sind eben alle nur Nummern, gesichtslose Konsumenten, die für eine unglaublich billige Leistung zuviel zahlen.
Des weiteren lag eine Rechnung bei, in der mein schamloser Provider für die neue Fritzbox zweihundert Euro verlangte. Dies sollte eigentlich nur geschehen, wenn ich den als defekt gemeldeten ausgetauschten Router nicht zurücksenden würde. Dies ist aber längst und unter Einhaltung sämtlicher Fristen geschehen, ein Einlieferungsbeleg bestätigt dies zum Glück. Es ist also nicht nur diese oberflächliche Behandlung allein, die zusätzlich für Wut und Zorn sorgte. Vielmehr ist es auch die Tatsache, nun auch noch wegen dieser Kosten erneut mit dem Kundendienst telefonieren zu müssen und zu hoffen, das der Teilnehmer am anderen Ende nicht sofort auf stur schaltet. Das geht zunehmend an die Nerven.
Meine Motivation im Kampf um eine funktionierende Internetverbindung wandelte sich allmählich in Resignation, als ich am 3. März ein recht langes Gespräch mit einem Mitarbeiter meines Providers führte. Dieser wollte nun ganz von vorn beginnen: penible Überprüfung der verwendeten Kabel, und bitte mal den Router neu starten, ich war kurz davor zu Platzen. Dann aber merkte er allmählich, dass er die Probleme auf diese Art und Weise nicht beheben würde. Es gelang mir überraschend, ihn zu überzeugen, erneut einen Techniker vorbei zu schicken. Ein wenig Hoffnung hatte ich anscheinend noch immer, dass es klappen könnte, ein Netzwerk-Genie nach Hause zu locken.
Dieser Techniker sollte bereits am kommenden Tag erscheinen, das passte ganz gut, ich hatte frei - und möglicherweise einen ordentlichen Kater - einen Tag nach Weiberfastnacht…
Und siehe da – der angekündigte Techniker kam wieder nicht. Routiniert und ein wenig verkatert erfolgte erneut der Griff zum Mobiltelefon: Hotline anrufen, tausend Fragen beantworten und hoffen, dass auch dieser Mitarbeiter recht schnell auf die Idee kommt, noch einen Techniker vorbei zuschicken.
Und auch dieser Hotline-Mitarbeiter raubte mir schnell den letzten Nerv, aber ich behielt die Fassung. Selbst auf die Frage des oberschlauen Herrn am anderen Ende der Leitung, ob ich denn immer noch nicht wüsste, woran meine DSL-Probleme lägen hatte ich nur ein vom Wahnsinn umnebeltes Lächeln auf den Lippen, denn natürlich wusste ich das nicht und der gestrige, allwissende Hotline-Mitarbeiter klärte mich ja auch nicht darüber auf. Okay, das konnte ja nun dieser Herr nachholen. Er frohlockte „Es liegt an einer Querverbindung“, aber was genau das sei weiß er auch nicht. Mit diesem bahnbrechenden Wissen grübelte ich noch lange über eventuelle Ähnlichkeiten zwischen defekter Querverbindung und nicht funktionierender DSL-Verbindung.
Ein paar Weisheiten des Herrn schreckten mich dann doch noch aus meinem Offline-Delirium auf. Angeblich streikten derzeit die Telekom-Dispatcher, also die Herren, die den Vor-Ort-Support lenken und aus diesem Grund bekam ich am heutigen Tag keinen Support-Besuch. Womit wiedermal ein Grund für das gnadenlose Versagen dieser katastrophalen Kundenbetreuung in der Telekom gefunden wurde. Doch ehrlich gesagt war mir das so etwas von egal. Streik hin und her, ich hatte kein verdammtes DSL, und das seit mittlerweile fast 10 Wochen.
Warum bekomme ich eigentlich von diesen anmaßenden, überheblich wirkenden Call-Center-Typen nie eine Mail zur Befragung der Supportzufriedenheit? Den Namen dieser Rhetorik-Künstler notiert man sich zu selten, wie will man diesen Herren verdientermaßen stilvoll ans Bein pinkeln? Die Welt ist ungerecht!
Der Rosenmontag ist in unserer Region zwar größtenteils arbeitsfrei, aber wir gönnten solch angenehme Momente niemanden so wenig wie der so heiß geliebten Hotline. Wir telefonierten mal wieder per Handy durch die Republik und siehe da, ein weiterer Termin eines Servicetechnikers kündigte sich an. Mein Vater war jedoch flotter und konnte schon zeitig am Tag verkünden, dass er am kommenden Tag einen Besuch des Technikers erwarten würde. Die Zusage unseres Termins bekamen wir erst am Abend, dieser war allerdings im gleichen Zeitraum von 14-20 Uhr am Folgetag.
Ich brauchte heute nur bis zum Mittag arbeiten, wie es sich für einen rheinländischen Bundesbeamten gehört. Und konnte somit tief entspannt abwarten, ob Techniker-Termin Nummer acht erfolgreicher als alle vorangegangenen ausfallen würde und endlich Besuch von der Telekom erscheinen würde.
Mittag klingelte dann in der Tat das Mobiltelefon meiner Tochter. Nachdem diverse Verwandtschaftsverhältnisse geklärt und definitiv festgestellt wurde, das meine Tochter keinen Bruder hat und ich somit keinen Sohn habe, wurde gefragt, ob denn nun jemand daheim sei. Das war ganz überraschend tatsächlich der Fall. Oh Gott - bloß nicht drüber nachdenken. Ich werde noch verrückt.
Und dann klingelte es tatsächlich an der Tür. Ein Techniker der Telekom hatte unsere Adresse gefunden. Wie hat er das geschafft? Was hat er nun vor?
Und die alles beherrschende Frage lautet: Will der nun wirklich zu uns, oder hat der sich nur in der Hausnummer geirrt? Egal, Fakt ist, dass er nun in der Falle saß.
Der außen am Haus befindliche Postanschluss stammt aus den Fünfziger oder Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Noch hat kein Denkmalschutz-Aktivist diesen Kasten entdeckt. Nach einigen konsequenten Hieben mit dem Schraubenzieher erlag der bröcklige Putz rund um die Dose dem Charme der Schwerkraft.
Der so komplett freigelegte und entdeckelte Postanschluss bot einen Anblick verkabelten Wahnsinns. Unmöglich so etwas wie Struktur zu erkennen. Der Techniker verstand aber sein Handwerk und hieb siegesgewiss mit seiner Kabel-Machete durch das Kabelchaos. Und schnell hatte er eine mögliche Fehlerquelle geortet und isoliert.
Ein paar Kabel waren schwerwiegend korrodiert und boten auch einem ungebildeten Offlinehelden wie mir ein klares Bild einer Ursache für eine eventuell nicht funktionierende Online-Verbindung. Ein paar Kabel waren sich mit zum Teil unisoliertem Kupfer gefährlich Nahe gekommen und Kurzschlüsse sorgten möglicherweise für die Probleme am Anschluss meines Vaters. Die nahezu durchgerosteten Kabel für das nahezu nicht vorhandene DSL-Signal, welches meinen Router kaum noch erreichte. Da einige technische Einstellungen der Fritzbox ein weitaus stabileres Signal verlangten, gab's halt kein Internet und kein Telefon.
Mit wenigen Handgriffen wurden die beschädigten Kabelteile abgetrennt, die Spitzen abisoliert und alles wieder zusammen gesetzt. Die ersten Tests waren in der Tat überwältigend, zum ersten mal überhaupt hatte ich fünfstellige Downloadraten. Künftig würden also Downloads fast mit Beamgeschwindigkeit meinen Rechner erreichen. Der Anschluss funktionierte also endlich und nun auch in einer Form, für die ich seit September viel Geld bezahlte.
Und nun? Die Fünf Minuten Arbeit des Technikers kosteten mich nicht einen Cent. Noch nicht mal mein Provider wurde zur Kasse gebeten, da es sich um Probleme am Hausanschluss handelte und damit in den Zuständigkeitsbereich der Telekom fiel. Warum musste ich also geschlagene 69 Tage warten, bis man auf die Idee kam, den Hausanschluss zu überprüfen? Nun, Bob Dylan weiss die Antwort:
The answer my friend is blowin' in the wind.
The answer is blowin' in the wind.