Digitales Fachchinesisch
Die sich in steter Weiterentwicklung befindliche IT-Welt sorgt mitunter nicht nur für soziale Netzwerke, das Arbeiten in Wolken und ungesundem Verzehr von kaltem Kaffee. Sie sorgt auch für neues Vokabular im allgemeinen Sprachgebrauch. Im Folgenden möchte ich meinen kleinen Anteil zum besseren Verständnis vieler meist neudeutscher Begriffe betragen, die allesamt im verzweifelten Leben selbsternannter Computerfachmänner ein ständiges Ärgernis sind und nun dazu verdammt sind, lediglich im font-style:italic dargestellt zu werden. (Herr Lehrer, ich habe mal aufgepasst!)
So zum Beispiel sorgen Viren auf einem handelsüblichen Computer nicht zwangsläufig für eine laufende Nase, wobei der Nutzer des selben gehörig verschnupft dreinblicken dürfte, wenn er eine Vireninfizierung auf seinem digitalen Liebling feststellt. Und was tut er dagegen? Vitamin C, Penicillin oder heißer Tee scheiden schon einmal aus. Ist es ein qualifizierter IT-Fachmann, dann hat er seine heiß geliebten Daten stets in einem Stahlschrank fünf Etagen unter der Erdoberfläche auf erdbebensicheren High Density-Floppys oder noch sicheren zeitlosen Lochstreifen gesichert. Und er wagt nun den spontanen und konsequenten Neuanfang, welcher mit dem gewaltlosen Plattmachen seines infizierten und somit nutzlosen Rechners beginnt. Damit vergleichbar: Ein verschnupfter Mensch wird schmerzlos per Gummihammer eingeschläfert und dann Stück für Stück wiederbelebt - eine wirklich tolle wenn auch nutzlose Alternative zum gewöhnlichen Nasenspray.
Weiter im Programm: Verschiedene Ware wird auf unterschiedlichstem Wege angeboten. Freeware, Software, Malware und gar Bierware etwa, aber wer schaut noch durch? Bitte kurz aufstehen und Handzeichen geben! Danke! Kurze Erklärung also: Software ist programmiertes, zumeist tatsächlich nützliches Zeugs um den Rechner letztendlich in die Knie zu zwingen. Software kann man unter gewissen Umständen als Freeware bekommen - meist kostet's nichts , oder gar als Bierware, dann erwartet der Programmierer bei Gelegenheit ein Freibier vom freundlichen Nutzer. Malware hingegen hat nichts mit einer kreativen Nutzung irgendwelcher Pinsel-Software zu tun, sondern ist die Bezeichnung für verachtenswerte bösartige Software, wie etwa bereits erwähnte Viren. Diese mit großer Sorgfalt gebastelten Programme sollen in der Regel den Nutzern das Leben erschweren. Und im Gegenteil zur nützlichen Anwendungssoftware fiunktionieren Viren ausgesprochen zuverlässig.
Zu den Viren gehören unter anderem Trojaner. Gemeint sind nicht jene selten dämlichen Bewohner der Stadt Troja, welche aus purer Nachsichtigkeit ein hölzernes Gastgeschenk der bösen Griechen nicht ablehnen konnten. Nein, gemeint sindTrojaner, die auf heimischen PCs deren Nutzer ein peinliches Nachsehen geben, wenn diese feststellen, dass der neue Untermieter in vollkommener Pflichterfüllung fleissig persönliche Informationen über Nutzer, deren Familien, heimliche Liebschaften und politische Neigungen sammelt und ins Nirvana versendet hat. Trojaner sind demnach eher die Nachfolger jener wagemutigen Kämpfer, welche im Bauch eines hölzernen Pferdes wartend das naiv blöde Verhalten der Bewohner Trojas mit epischer Gewalt bestraften. Solche und noch fiesere Viren gibt es tatsächlich für PCs, Mobiltelefone und demnächst auch Auto- und Flugzeugsteuerungen und sorgen dort in der Regel für Systemfehler oder Totalausfälle.
Fehler und Totalausfälle sind auch das unerfreuliche Ergebnis der folgenden kleinen Teufel. Bugs sind keine krabbelden Kleinstlebewesen in unserer heiligen summenden Kiste namens PC. Auch wenn diverse Insekten sich gern mit einem ähnlich klingenden und zufällig genauso geschriebenen Wort identifizieren. Bugs sind Programmierfehler in der Software (in Virensoftware eher unwahrscheinlich). Und Bugfixing kann demnach auch nicht die dauerhafte Befestigung von Bugs per Sekundenkleber sein, was ja bekanntlich unsere Tierschützer auf den Plan rufen würde. Vielmehr stellt Bugfixing das hoffnungsvolle Entfernen vorhandener Programmierfehler sowie das ungewollte aber höchstwahrscheinliche Hinzufügen weiterer Fehler dar.
Weiter im Programm: Weithin bekannt ist, dass der Computerhacker kein umgeschulter Fachmann der Forstwirtschaft ist, der unbeugsamen und störrischen Rechnern mit der Axt zu Leibe rückt. Was nicht heißen soll, dass dies niemals geschieht. Hacker sind unglaublich klischeebehaftete Personen und nicht alle Vorurteile sind wirklich richtig. Denn Hacker sind ganz sicher keine Online-Revoluzzer oder gar widerliche Spam-Mail-Schreiber nach einwöchigem Internet-Entzug. Eigentlich sind sie blasse picklige Wesen der Nacht, welche insgeheim von der Weltherrschaft träumen und von der Existenz normalen Lebens auf dieser Erde echt überrascht wären. Und somit wäre ein erster Einstieg in die wunderbare Welt digitaler Nächstenliebe vollzogen. In der nächsten Folge von „Du und Dein PC-Problem“ behandeln wir das schmerzlose Ein- und Aus-Schalten eines PC-Monitors.
