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The day after gestern abend

Willkommen im irdischen Jammertal. Qualvoll krampfte ich mich durch diesen verkorksten Tag, arg gezeichnet von den gestrigen Abendstunden, schwer erschüttert vom gestrigen TV-Programm eines Bezahlsenders oder vielmehr vom verzweifelten Versuch, ein übertragenenes Fussballspiel mittels Alkohols erträglicher zu gestalten. Ein ähnliches Schicksal könnte mich in wenigen Stunden erneut ereilen, ich fühle mich schon jetzt von einer wahren Orgie des Selbstmitleids überrollt.

Facebook als Kummerkasten zu nutzen erwies sich letzten Abend als psychologischer Tiefschlag. Schamlos trieben mich meine untreuen Freunde aus dem sozial vernetzten Internet in eine leidenschaftlich gelebte Alkoholabhägigkeit. Der einzig mögliche Ausweg, nie mehr Fußball im TV lebhaft zu geniessen, scheitert schon am glühenden Verlangen nach dem stürmischen Gefühl das Blut in den Adern allmählich verdampfen zu spüren. Diesen beschwingten Blutdampf wieder auf Zimmertemperatur zu bringen geht halt nur über edle Destillate, und natürlich mit süffigem Hopfensaft.

Da stellt sich doch echt die Frage nach dem einzig begehrenswerten Ableben: der ultimative Showdown beim besten Orgasmus aller Zeiten oder doch besser Licht aus mit dem Whisky in der Hand beim Elfmeterschiessen des göttlich verehrten Lieblingsvereins?

Gestern bin ich offensichtlich nicht gestorben. Aber sonderlich lebenswert ist mein derzeitiger Zustand auch nicht, Good vibrations ein Fremdwort, und ständig Gurkensaft, kalten Kaffee und dummes Gelaber zu ertragen eine Last. Die verdammte Sonne brennt irre Muster auf meine Hirnhaut, grimmig denke ich an die Schmerztabletten in der Tasche, aber auch die haben ihren Stolz und ignorieren die Pain.

Falls Gaddafi heute nicht in feindseliger Haltung das Mittelmeer überquert, werde ich mich langsam gedanklich auf Karneval einstellen. Dieses Fest der Sünde, des Saufens und schweinischen Zeuchs Singens, der Rheinländischen Kultur eben, steht mit seinen Höhepunkten an. Als zugezogener Fremdling des närrischen Treibens bevorzuge ich natürlich dienstlich verordnete Besäufnisse unter Kollegen. Die leidenschaftlich kameradschaftliche Kölschvernichtung geht einher mit einer stürmischen Entweihung von alledem, was karnevalistische Kultur in 2000 Jahren Abendland geschaffen hat, und ich Jeck bin mittendrin.

Im Kreise der Altvorderen meiner leicht exentrischen Kaffeerunde wird morgen zu Weiberfastnacht jedweder Pegelstand im Bierkeller der Lächerlichkeit preisgegeben. Was natürlich Fragen der Vor- und Nachbereitung aufwirft, Gedanken an die morgige Abendbeschäftigung als sinnlos verwirft, bis sich der Schreiber dieses Textes dem strafenden Blick seiner Herzensdame unterwirft. Verwerflich, ich weiß, es liegt wohl in der Kultur des weissen Mannes, dies von Zeit zu Zeit tun zu müssen. Da sich um ein altehrwürdiges Ritual meist verheirateter Männer handelt, könnte man direkt annehmen, die Frauen sind selbst daran schuld. Und wenn nicht, so mag diese Tradition dieser mehr als anständigen Trinkkultur wenigstens als Ausrede gelten. Womit klar sein dürfte, dass Du morgen nichts zu lesen bekommst, nicht ein Wort, keine Silbe. Es sei denn, all die Narretei ist zu schnell vorbei - ein Tusch - Kölle Alaaf und Prost!!!

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