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Das elende Leiden der Bestandskunden

„Für jedes Jahr, indem Sie bei uns Kunde sind, erhalten Sie 1% Rabatt auf alle unsere Produkte und nach 25 Jahren die goldene Kundenkarte“ - Die Treue des Kunden dankt der Verkäufer mit preislichen Vergünstigungen und begehrenswerten Geschenkartikeln. Ist dem heute auch noch so? Gehen wir dieser Frage einmal nach…

Bis vor wenigen Jahren war ich noch überzeugter Kunde eines renomierten Buchversandhandels, der mich zum einen zwang in regelmäßigen Abständen ein Stück abendländischer Literatur zu bestellen. Zum anderen aber mit ordentlichen Angeboten und einer allumfassenden Auswahl an edelster Dichtkunst eine Bestellung auch leicht machte. Zudem gab es nach einer runden Anzahl Mitgliedsjahre eine Kundenkarte, welche mir ab sofort unglaubliche Rabatte auf jede Bestellung einräumte, egal ob Schund oder Bestseller.

Inzwischen scheint dies jedoch nicht mehr der Fall sein, zumindestens gibts auf der online-Präsenz dieses Buchhandels keinen Verweis mehr auf irgendwelche Rabatte für ganz besonders treue Kunden. Bin ja auch nicht mehr Mitglied und Kunde bei diesem nicht näher genannten Club. Schauen wir mal in die Sparte der vielen Mobilfunk und Internetprovider. Da gibts z.B. Verträge mit einer Mindestlaufzeit von zwölf Monaten zu unvorstellbar günstigen Konditionen und edlen Geschenken für den begehrenswerten Neukunden. Die Betonung liegt auf Neukunden! Nach diesen ersten zwölf Monaten wird die Treue des nun vertraglich in Fesseln gelegten Kunden damit belohnt, dass meist vertragsgemäß die monatlichen Kosten erheblich steigen. Was hat der ehrliche Kunde falsch gemacht? Er vergaß rechtzeitig zu kündigen und darf sich nun zwölf weitere Monate über die gestiegenen Kosten und einen nahezu unkündbaren Vertrag schwarz ärgern! Recht so!

Denn spätestens wenige Tage vor Ablauf des gekündigten Vertrages meldet sich ein mit fremdländischen Dialekt labernder Call-Centermitarbeiter. Über die fachliche Kompetenz dieser Mitarbeiter lässt sich allerdings des Öfteren streiten. (Ich empfehle den amerikanischen Film „Outsourced“) Der freundliche, hin und wieder gut deutsch sprechende Callcenter-Mitarbeiter versucht den kündigungswilligen Kunden von seinem schändlichen Umtrieben abzuraten. Es wird geködert und gefeilscht. Und nun kann der Kunde für seine Treue tatsächlich geniale Kontitionen aushandeln, welche er selbst als Neukunde nie und nimmer erhalten hätte.

Mein Tipp: Rechtzeitig kündigen, schauen, was die Konkurrenz macht und eventuell (aber nur wenn dafür noch Zeit ist) nachdenken, ob man diesen Mist überhaupt braucht. Ach ja, nicht jeder Vertrag wird bei Neuabschluss zwangsläufig günstiger. Also kündigt nicht euren Mietvertrag. Bringt nix! P.S.: Eigentlich feile ich seit Anfang Januar an einem Text zu diesem Thema, welches so eigentlich gar nicht in den Blog passt. Aber je mehr ich mich darin verteife, um so länger wird der Text und kein Ende ist in Sicht. Deshalb diese „Essenz“ eines langen Textes hier im Blog als Lückenfüller. Der alte Schinken geht über'n Jordan und ich habe zwei Fliegen mit einmal geplättet.

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