Glaubenspaukerei
Mein trautes Bundesland hat nach intensiven Überlegungen und Einberufung unzähliger Arbeitsgruppen beschlossen, demnächst den Islam in den Religionsunterricht zu integrieren. Als eigenständiges Fach natürlich, also parallel zum evangelischen und katholischen Unterricht. Das finde ich gut!
Bislang läuft es ja so, dass christlich getaufte Kinder ihrer Konfession entsprechend am jeweiligen Religionsunterricht teilnehmen. Andersgläubige Kinder bekommen diese Stunden unterrichtsfrei. Und ungläubige Heiden, Kinder, die weder getauft, noch in einer anderen Form bereits in jungen Jahren einer Religion anvertraut wurden, haben die Wahl zwischen christlichem Religionsunterricht oder Scheiterhaufen.
Wenn es schon Religionsunterricht an unseren prächtigen Bildungseinrichtungen geben soll, dann bitte richtig! Nicht nur mit den zwei abendländischen christlichen Glaubensrichtungen, sondern mit allen in Deutschland ausgeübten und somit in Frage kommenden Religionen. Wobei im Interesse des allgemeinen Volksunwohlseins, der allgemein vorherrschenden Gewissensfrage, sollte auch das Judentum seinen lehrenden Platz auf dem Stundenplan finden.
Damit meine ich keine Ausbildung zu fanatischen Glaubensanhängern, sondern die Gnade, umfangreiches Wissen über Dinge zu vermitteln, die mir Ungläubigen völlig banal und unwichtig erscheinen. Wie wichtig ist Religionsunterricht in der Ausbildung junger Menschen? Wichtiger als Naturkundefächer? Wichtiger als Fremdsprachen, Deutsch und Mathematik? Okay, Gott sorgt sich schon um seine dummen Schafe, die sicher nicht ohne Grund dumm gehalten werden.
Diese Frage stellt sich natürlich auch für manchen verantwortungsvollen Erziehungsberechtigten, wenn dieser etwas Interesse am Stundenplan des schulisch völlig desinteressierten Sprösslings heuchelt. Erstaunend darf dann zur Kenntnis genommen werden, dass in verschiedenen Fächern permanent aus Lehrermangel Stunden ausfallen. Seitdem aus Kostengründen Schulen nur noch das nötigste an Paukern beschäftigen und für bestimmte Unterrichtsfächer teure Abschlüsse das Lehren des begehrten Lehrstoffs notwendig sind, gibt’s halt Engpässe bei Schwangerschaften, Krankheiten oder unmotiviertem Fernbleiben in Form von Lehrerkonferenzen. Über Gott und die Welt kann jeder reden, oder etwa nicht? In den fürs Berufsleben so überaus unwichtigen Fächern fehlt merkwürdiger weise selten der pädagogische Lehrkörper.
Das Lernen in mit weit über 30 Schülern vollgestopften Unterrichtsräumen dürfte schon nicht einfach sein, selbst wenn man, was sicher ungewöhnlich ist, den Hang danach verspürt.
Wie allerdings ein Lernziel ohne Lehrer und ohne geeignetes Lernumfeld erreicht werden soll, bleibt eine Frage, welche ganz sicher nur viel Glaubenskraft beantwortet werden kann. Und genau da kommt der Religionsunterricht ins Spiel und wenn man eine gewisse Chancengleichheit unter den Gläubigen dieser Welt erreichen möchte, dann gebt ihnen gefälligst den Unterricht, den sie am nötigsten haben.
Nun stelle man sich einmal eine Wissensshow im Fernsehen vor. Der Kandidat, frisch von der Schulbank und ein Ass im Religionsunterricht, hat eine Rechenaufgabe gestellt bekommen. Nach angemessener Zeit offenbart er die Lösung mit folgendem Satz: „Ich glaube, dass 42 richtig ist“. Totenstille im Raum, ein nerviger Sound unterstreicht eine gewollt düstere und an Spannung kaum zu überbietende Atmosphäre. Der Kandidat weiß: Es hängt allein von seinem starken Glauben ab, weniger vom Beherrschen diverser Rechenkünste, ob dieses Ergebnis als richtig akzeptiert wird. Endlich löst Herr Jauch die Spannung. Er erklärt dem Kandidaten, dass dieser rechnerisch völlig daneben lag und schickt ihn dann mit leeren Händen nach Hause. Doch Gott beugt sich nach vorn, tätschelt dem Mathematikversager die Wange und sagt: „Gut gemacht mein Junge!“
Mal ehrlich, wollen wir dieses göttliche Privileg nur den christlichen Vertretern nachfolgender Generationen gönnen? Wenn wir schon nicht in der Lage sind, unseren Kindern eine halbwegs brauchbare Schulbildung zu bieten, dann macht nicht so einen Zirkus um den Religionsunterricht.
Allein schon die Vorstellung, wo überall in der Gesellschaft ein „Ich glaube…“ völlig ausreicht, um die Richtigkeit einer Aussage zu untermauern, gibt einem doch Hoffnung, dass das Ende der Welt noch nicht gekommen ist.. „Achmed, mache ich das hier richtig mit dem Brennstab?“ „Ich glaube ja…“ Und wieder beugt sich ein Gott nach vorn…
