Die elende Klo-strophobie
Das Leben ist eine Rinderleberwurst und für den Senf hat jeder selbst zu sorgen - der Sinn des Lebens kann kaum knapper und treffender formuliert werden. Doch irgendwann ist alles gründlichst verdaut und sucht seinen Weg zurück in die Natur.
In unserer zivilisierten Welt wird dies durch das Vorhandensein ergonomisch geformter Keramikmöbel in eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten zweckmäßig unterstützt.
Zu den Stoßzeiten werden öffentliche Einrichtungen dieser Art regelmäßig stark frequentiert, wobei die jeweiligen Besuche stets nach Bedürfnis kürzer oder länger ausfallen können. Selbstverständlich ist die längst Inhalt vieler Forschungsarbeiten gut bezahlter Statistiker, Paranoiker und Meinungsforscher. Und diesen Helden der hingebungsvollen Statistik dürfen natürlich die Meister der angewandten Psychologie in Nichts nachstehen.
Wie fühlt man sich in einer solchen Institution der Bedürfniserleichterung, welche mit zwei und mehr Kabinen nebeneinander ausgestattet ist. Man geht erleichtert seinem Geschäft nach und in 90% aller Fälle wird mittendrin die Nachbarkabine besetzt. So ein Ärger auch!
Viele sind nun sofort eingeschüchtert und kneifen zusammen, was zusammen zu kneifen geht. Mucksmäuschenstill sitzen sie nun auf dem Abort und wartet darauf, dass das Ärgernis aus der Nachbartoilette endlich das Weite sucht. Aber Pech gehabt - neben ihm sitzt ein an zuviel Selbstbewusstsein und vollen Därmen platzender Vertreter der Menschheit. Und zu allem Überfluss hat dieser das „Besetzt“-Zeichen an der Tür deiner Kabine entdeckt und hat den dringenden Wunsch, geräuschvoll den Zustand seiner Darmflora zu vermitteln. Das dann auch noch mit der typischen Artikulation des Entzückens und des Schnaufens vor Anstrengung.
An den Urinalen stehen inzwischen mehrere Herren nebeneinander. Während der eine sichtbar vor Erleichterung seine Blase entleert, bekommt der andere vor Hemmungen Knoten im Harnleiter. Sich einen kristallklaren plätschernden Gebirgsbach oder ein Glas mit sprudelndem Mineralwasser vorzustellen, hilft nicht im Geringsten. Erst gefühlte Stunden später gelingt es ihm ein paar Tröpfchen abzuschütteln, ein Bild des Jammers schlechthin.
Murphy ist mit seinen allseits gültigen Gesetzen ebenfalls auf nahezu jeder Toilette anzutreffen. Beispielsweise beim Greifen nach der Klorolle offenbart ein an der Wand angebrachter Rollenhalter einige schwerwiegende technische Mängel. Die Rolle entschwindet der Hand der Schwerkraft folgend nach unten und rollt von dort - wie sollte es auch anders sein - unter die Abtrennung hindurch zur Nebenkabine. Logisch, dass es die einzigeste Rolle dieser Toilette war. Nun ist viel Kreativität oder das passende App im iPhone gefragt.
Oder etwa der Seifenspender, bei dem der Bedienhebel und der Spender stets an den unmöglichsten Stellen angebracht hat, so dass bei der Benutzung die Armbanduhr, der Hemdärmel oder hin und wieder der Boden einen kräftigen Schluck Flüssigseife abbekommt.
Liebe Damen, bitte fühlt euch nicht ausgegrenzt. Ich habe natürlich keine Ahnung, was sich hinter verschlossener Tür in der Damentoilette abspielt. Ebenso wenig möchte ich in eure Rolle schlüpfen, um an diesem, den Frauen heiligen Ort Erfahrungen zu sammeln. Ich bin mir jedoch sicher, dass dort Geheimnisse im Gange sind, welche besser auch an diesem Ort verbleiben. Wahrscheinlich total angenehme, schöne und unterhaltsame Dinge, denn dafür geht ihr mir viel zu oft und zu gern aufs stille Örtchen. Wozu wirklich weiß nur Gott, George Clooney und eventuell ihr selbst.
Und somit bin ich mit dieser Abhandlung zu einem letztendlich bescheidenen Ende gekommen. Und bevor ihr diesen Blog schließt, bitte nicht vergessen: Hände waschen!
