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Mit der Birne kommt der Tagesabriss

Ich befinde mich irgendwo jenseits von Afrika, schwebe durch ein paar Lianen und Jane säuselt mir irgendetwas Unartiges in Ohr. Überall surrt es, es ist herrlich hier, ich fühle mich wie im Paradies. Genau in diesem Moment brüllt mich eine ungemein hässliche Melodie langsam ins Leben zurück. „Put your Arsch up in the air“ raubt mir Nerv, Traum und die letzte Hoffnung, ausgeschlafen diesen Tag zu beginnen.

„Es sind die unbeantworteten Fragen, die die Mühe wert sind am Morgen aufzustehen“ – so sagte bereits Oberschurke Eldred Jones in Stephen Kings Dunkler Turm-Saga. Und wenn er auch sonst eine unangenehme Natur war, so hatte er mit diesem Ausspruch vollends recht.

Mühsam quäle ich mich aus dem Bett und kämpfe mich durch das Zweilicht des erwachenden Tages unter die Dusche und noch schwer im Delirium befindlich rein ins Auto. Dann mit Vollgas ab ins Büro, wo ich nun endlich halb erwacht, mit dem Schlüssel in der Hand vor meiner Bürotür stehe und so recht selbst nicht weiß wie ich hierher gekommen bin.

Die Bürotür ist noch abgeschlossen, das bedeutet nichts Gutes. Bin wohl mal wieder Einzelkämpfer auf Gottes winzigstem Schlachtfeld. Momentan schockt mich das nicht, ich schließe die Tür auf, kralle mir das wichtigste Utensil meines harten Büroalltags und entschwinde in Richtung Kaffeemaschine. Dort gibt es das notwendige Elixierium Coffea Arabica, welches in den richtigen Größenordnungen verabreicht, Leben retten kann.

Der Gang scheint verwaist, ach ja, Ferien – die halbe Belegschaft schläft heute auf Kosten ihres Nachwuchses aus. Und während die Alten es sich gut gehen lassen, tun die Kids schwer genervt ob der lang ersehnten und nun doch ins Wasser gefallenen sturmfreien Woche. Pech gehabt, wobei, was geht’s mich an. Der eigene Nachwuchs genießt nämlich diese elternfreie Zeit aus vollen Zügen, schläft bis Mittag und gibt sich beste Mühe, so wenig wie möglich Berichtenswertes zu erleben. So dass sie später ihren eigenen Kindern ihr Jugendleben in zwei Sätzen aufzählen kann und dabei noch maßlos übertrieben hat

Aber was soll man machen. Es auf diese zutiefst oberflächliche und kinderfeindliche Zeit schieben? Auf die unglaublich vielfache multimediale Zeit schimpfen, welche ein Kind 24 Stunden am Tag unterhalten kann, ohne auch nur im Entferntesten Lehrreich oder Bildend zu wirken? Irgendeine Ausrede findet sich schon, aber es sind Ferien und solange die Kinder glücklich sind, sind es die Erzeuger auch halbwegs.

Nach diesem absolut ungewollten Exkurs in die Welt der Ferienanimateure nun aber zurück zum eigentlichen Thema von Heute. Es ist Montag! Und nachdem der Wecker das beendet hatte, was letzte bewusste Handlung des Wochenendes begann, blieb mir nichts anderes als grimmig festzustellen: Die Woche geht einfach nicht vorbei.

Bis denne

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