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Kummerkastenfrust

Manchmal bekomme ich den Eindruck, Facebook ist zu einem Mekka jammernder Pessimisten verkommen. Das finde ich sehr traurig. Neulich bei Facebook: Meine Lieblingsjammertante (sorry S., das ist nicht bös gemeint) schüttet das gesammelte Leid einer frustrierten Hausfrauengeneration über die versammelte Community aus. Du weißt schon, „die Welt ist schlecht“, „Männer sind Schweine“ und „Das Leben ist so furchtbar ungerecht“. So lange das hilft, ihr wehleidiges Gemüt auf Betriebstemperatur herabzukühlen, ist mir das ganz recht. Jede halbwegs moderne Maus hat nämlich ein Scoll-Rad und damit kann jeder, der dem unterirdischen Gejammer entgehen möchte, dies mit einer winzigen Fingerbewegung tun.

Aber dann verpasst man vielleicht so manches Highlight in der faszinierenden Welt der Klatsch- und Labernetzwerke. Meist findet sich nämlich irgendjemand, der unserer kummergeplagten Dame aus vollem Herzen beipflichtet. Eine höchst ritterliche Geste, möchte man fast meinen.

Die edlen Ritter vom Kummerkasten Facebook! In höchst markanter Form erlebt die moderne zwischenmenschliche Kommunikation eine Rückkehr ins heldenhafte Mittelalter. Der verliebte Trottel schält sich aus seiner verbeulten Blechdose und hechelt in Reimform all seine Verführungskunst online über die Tastatur. Edelmütige Prosa ist zwar etwas anderes, aber das interessiert in Facebook eh niemanden.

Strophe für Strophe lästert nun der verliebter Knabe über das eigene lausige Geschlecht und kriecht damit jener unglücklichen Hausfrau meilenweit in den Allerwertesten. Das überaus schleimige Geschwafel lässt Vaseline wie Sandpapier erscheinen und selbst beim Meisterpoeten Shakespeare Brechreiz aufkommen.

Logisch, dass der Wusch konsequent einschreiten muss. So ein Drama bekämpft man am besten mit entnervender Ehrlichkeit. Oder etwa nicht? Also ran an den Speck und die anale Annäherung mit kühnen Frotzeleien entzaubern. Oder wäre hier etwas Zurückhaltung geboten? Getreu dem Motto: „Vorsicht! Sensibelchen – bitte nicht füttern!“ Ach was…

Das sich nun entwickelnde überaus penetrante Posting-Duell zweier Wichtigtuer nahm schnell und gewaltig an Fahrt auf. Motivierend wirkte dabei das digitale Schulterklopfen weiterer Unbeteiligter an diesem privaten Problems einer onlinesüchtigen Hausfrau. Eigentlich böte sich nun an, hier den kompletten Wortlaut wieder zu geben. Doch das würde diesem Blog auch noch das letzte Fünkchen Niveau kosten. Auch verzichte ich auf eine knappe Zusammenfassung, detaillierte Inhaltsangaben oder petze in einer anderen Art und Weise Sachen aus, die Dich ohnehin nicht die Spur angehen.

So bleibt an dieser Stelle nur die Feststellung, dass das Wortgefecht der anwesenden Herren mit einem gut gemeinten Unentschieden endete. Bislang unbeteiligte Vertreter der Damenwelt pflichteten mal dieser und mal jener Seite bei. Und jene Eine, welche Facebook ureigenste Probleme der Hausfrauenriege anvertraute, war am Ende mit der ultimativen Aufgabe betraut, irgendwie online für Frieden im Posting zu sorgen. Das Gejammer der Gegenseite war inzwischen purer Empörung gewichen. Ziel erreicht, meinte ich. Zeit, die Geschichte zu beenden. Somit verabschiedete ich mich mit einem „Gute Nacht“, welches von Herzen kam und ging mit einem guten Gefühl ins Bett.

Für den Fall, dass an dieser Stelle ein zutiefst moralisches Fazit erwartet wird, hier nun einige Worte des Trostes. Vielleicht war die Welt wirklich schlecht zu einigen weiblichen Individuen unserer zutiefst ungerechten Zeit. Vielleicht durchlebt sie daheim tatsächlich die Hölle unendlichen Martyriums. In diesem Falle wäre ich natürlich ein ziemlicher Mistkerl, wenn ich hier auf ihre Kosten meinen ureigensten Sarkasmus auslebe. Naja, sie wird’s dennoch überleben und Facebook weiterhin ihr Gejammer anvertrauen.

Aber Mädels, mal ehrlich: etwas Optimismus ist kann nicht schaden, auch dann, wenn gerade kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Es geht uns allen verdammt gut! Sogar so gut, dass ständig händeringend nach Gründen gesucht wird, um jammern und schimpfen zu können. Was wiederum doch eine recht elende Angelegenheit ist, oder? Noch ein Nachbrenner: Jemand, der oder die den ganzen Tag in Facebook verbringt, braucht sich am Abend nicht öffentlich beschweren, dass er oder sie für nichts mehr Zeit hat und der Haushalt sich nicht von allein regelt. Muss ich mich an die eigene Nase fassen? Jammere ich etwa herum? Ach was…

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