Von Frust und Konsequenzen
So hin und wieder stellen sich mir ein paar verdammt interessante Fragen: Wie viele Zahnärztinnen und Zahnarzthelferinnen können ihren privaten Frust nicht vom Behandlungssaal fernhalten? Die Quelle des Ärgers kann natürlich vielseitig sein: Ein bekloppter Vermieter, ein untreuer Freund oder eine kleine Delle am neuen Kleinwagen, was weiß ich.
Und dann steht sie am Behandlungsstuhl, blickt dem hilflosen Patienten tief in die Augen und fuchtelt mit irgendeinem Folterinstrument im Innern seines Mundes herum. Zack! Schon ist es passiert, aber nicht etwa aus Versehen. Der Patient zuckt wie von einem Stromschlag getroffen zusammen. Ein strenger Blick der behandelnden Dame gibt soft unmissverständlich dem Patienten zu verstehen, dass er bitte nicht so jämmerlich auf jeden Schmerz zu reagieren hat. Und gleich noch mal, zack! Sie sucht sofort den Augenkontakt. Welche Befriedigung liefert dieser unterwürfige verängstigte Blick des Patienten. Welch Balsam auf die geschundene Seele!
Was aber ist, wenn sich hinterher das Häufchen Elend als der Chef der örtlichen Sparkassenfiliale erweist und der weibliche Folterknecht eigentlich am Nachmittag dort wegen eines kleinen Kredites vorstellig werden wollte? Oder wenn die Delle am Kleinwagen das Ergebnis des Rückwärtseinparkens war, bei dem eine stattliche Limousine leicht gestreift wurde und deren Fahrer nach dieser Behandlung nun zu keinerlei Kompromissen mehr bereit ist? Und wie endet eine solche Geschichte, wenn der Patient Gefallen an der Ärztin/Schwester findet und man sich nun öfter zu derartigen Doktorspielchen trifft?
