Thrill me if you can
Was geht im Kopf eines Beststeller-Kriminalautoren vor sich? Da schreibt er sein halbes Leben lang Romane, die möglichst spannend sein sollen, aber das eigentlich wirkliche Mysterium bildet der Autor selbst. So beschreibt er Morde aus der Sichtweise des Mörders und empfindet die Qualen der Opfer mit deren minimalen Hoffnungen bis ganz zuletzt. Er führt den Leser bei der Hand - durch all das bis ins Detail geschilderte Grauen, stets wissend, welche Alpträume er ihnen damit beschert.
Was geht also im Kopf eines solchen Menschen vor? Wie kaputt ist sein Hirn? Wer in seinem Umfeld ist (ein gedanklich) von grausamer Hand gemeuchelt worden?
Ich hab mir das Leben eines Schriftstellers auch mal aus einer anderen Sicht vorgestellt. Also… Da sitzt er nun und vollführt sein Tagwerk, schreibt und schreibt, acht, zehn, zwölf Stunden am Tag. Nach zwei oder drei Monaten legt er voller Stolz seinem Lektor, seinem Agenten oder vielleicht auch seinem Verleger eine erste Version eines neuen Romans vor. Sein Gegenüber blättert ein wenig desinteressiert darin herum, nimmt sich dann aber doch die Zeit und studiert das Geschriebene eingehender.
Zwei Tage später das Urteil: „He mein Junge, was hast Du geraucht? Trinkst Du wieder? Man, bist Du völlig durchgeknallt? Das Zeug hier kann man niemandem zumuten. Das ist zu heftig, zu brutal, halt einfach krank!“ Dann knallt er dem verdutzten Schriftsteller den Stapel Schreibmaschinenseiten auf den Tisch. „Das taugt nichts! Fang noch mal von vorne an und lass diesmal die Drogen und den Alkohol weg. Alles klar?“
Der Schriftsteller, tief in seiner Ehre verletzt, überlegt einige Stunden, ob er sich nach einem neuen Lektor, Verleger oder Agenten umsehen sollte. Weitere frustrierte Stunden später ist er bereit, alle Kritiker seines neuen Werkes zu töten. Vielleicht so, wie in seinem Manuskript beschrieben… Doch statt dessen holt er sich eine Flasche Whisky, setzt sich vor den Kamin und gibt sich seinen Zweifeln hin.
Als er einige Tage später nüchtern wird, merkt er, dass er längst in die Arbeit an einem neuen Werk vertieft ist. Der ganze Frust ist nicht nur gut verarbeitet, sondern auch die beste Inspiration schlechthin. Wohlan, Zeit für die nächste Flasche, gerade jetzt, wo es so gut läuft…
