Mundpups
Stell Dir vor, es ist recht früh am Morgen. Der Wusch steht vor der Kaffeemaschine und fragt sich, wie er es im Tiefschlaf bis auf die Arbeit geschafft hast – unfallfrei und jegliche Erinnerung an die 16 langweiligen Kilometer auf der Landstraße. Und während sich allmählich die Tasse füllt betreten ein paar Kollegen den Raum und belangloser Smalltalk beendet den frühmorgendlichen Frieden. Klar, dass der Wusch sich gern an diesem Gespräch beteiligt, sei es aus falsch verstandener Kollegialität oder einfach nur aus Neugier. Doch dann passiert es: ein übler Geruch breitet sich im Raum aus und schnell ist die Ursache dafür erkannt: unangenehmer Mundgeruch.
Ein solcher ist widerlich und selbst bei strengster Körperbeherrschung kaum zu ertragen. Verdammt, wie schaut es bei einigen Vertretern unserer Spezies mit der morgendlichen Körperhygiene aus? Bin ich in solchen Fragen etwa einfach zu intolerant? Ist das Zähneputzen aus der Mode gekommen?
Dem Geruch ist das freilich völlig egal. Er steht in der Luft und macht keine Anstalten sich zu verflüchtigen. Allmählich fällt es mir das Atmen zunehmend schwerer. Am liebsten würde ich es gar völlig einstellen, wenn sich das irgendwie bewerkstelligen ließe. Aber diverse körpereigene biochemische Vorgänge fordern ihren essentiellen Anteil Sauerstoff – auch wenn ich mir nur schwer vorstellen kann, dass in dieser vom Mundpups verpesteten Luft noch Sauerstoff vorhanden ist.
Die Definition des Wortes Disziplin besteht sinngemäß – so meine ich mich zu erinnern – in der Einsicht der Notwendigkeit. Aber was ist hier wirklich notwendig? Fehlt es mir an Einsicht dies klaglos zu ertragen? Wie bringe ich Kollegen dazu, in einem Hauch von Lavendel, Hugo Boss oder 4711 durch unsere heiligen Hallen zu wandeln? Da körperliche Züchtigung in Form einer erzwungenen (Mund-)Dusche als unzumutbare Gewalt gilt, müssen andere revolutionäre Ideen her. Etwa ein Schutzanzug mit vollautomatischer Frischluftgenerierung. Auch könnten auf der Nase getragene Wäscheklammern als Modeutensil als Konkurrenz zu Gesichtpiercings getragen werden.
Als letzte und ultimative Maßnahme ist natürlich Mundspray zu nennen, dass vom Opfer und nicht vom Täter versprüht wird – jedochim Sinne des Selbstschutzes gezielt in Richtung des Täters. Dass dabei gegebenenfalls ein fälschlich aus der Handtasche gezogenes Pfefferspray zum Einsatz kommt ist sicher der Hektik des Augenblicks geschuldet. Ein Schulterzucken später gibt es zu mindestens ein Problem weniger auf der Welt und die Luft wird wieder etwas atembarer.
