Prolog
- Warum Irland?
- Warum Rundreise mit Bus?
- Wie lief das mit der Buchung und Bezahlung?
- Esthers Geburtstag
Nüscht wie weg
Dieser Urlaub ist die logische Folge einer reihe runder Geburtstage in der Familie, bei denen die Geburtstagskinder sich zum Feiern eine europäische Metropole aussuchten und die Gäste dorthin einluden. Kann man so machen. Zugegeben, es ist nicht einfach die weit verstreute Verwandtschaft an einen Tisch zu holen, um ein paar nette gemeinsame Stunden zu verbringen. Da steht erst eine lange und nicht selten recht kostenintensive Anreise an. Man weiß nicht wie man größere Geschenke mit dem Flieger transportieren soll, ohne intensive Frachtgebühren zahlen zu müssen. Und zuletzt steht da noch die viele auf An- und Abreise verbrachte Zeit, die in keinem ordentlichen Verhältnis zur eigentlichen Feier steht.
Klar man könnte auch zuhause feiern. Aber dann hat man als Gastgeber wenig vom eigenen Feiertag, sondern ist in ständigen Stress wegen der Unterbringung und Verköstigung der Gäste. Wie auch immer man das sieht, eigene Geburtstagsfeiern waren schon mal entspannter. Und dann wird meine Frau auch noch fünfzig. In meinen Augen der vielleicht wichtigste runde Geburtstag, der bestenfalls noch von der 100 übertroffen wird - falls man diesen noch erlebt. Aber den Hundertsten feiert man dann auch eher in einem kleinen Rahmen und soll hier auch keine weitere Beachtung finden.
Natürlich muss man nicht jeden Geburtstag im Rahmen seiner Verwandten und Freunde feiern. Man geht einfach gut essen, macht einen Ausflug ins Grüne oder wird anders kreativ tätig. Aber bei einem runden Geburtstag wird es schon schwer dem Anlass entsprechend etwas zu unternehmen. Was also macht man dann erst zum Fünfzigsten?
Nun muss eine kleine Geschichte hier erwähnt werden, die so gar nichts mit einem Reisebericht und dennoch so einiges mit Reisen selbst zu tun hat (so wie der ganze Text bis hierher eigentlich auch). Wir versuchen seit Jahren die Verwandtschaft hierher ins Rheinland zu lotsen. vor vier Jahren, inmitten dunkelster Corona-Zeiten, gelang das zuletzt, als mein eigener fünfzigster Geburtstag gefeiert wurde. Aber seitdem wurde es still mit Besuchern. Schließlich verließen meine Eltern das Rheinland und zogen in unsere alte Heimat zurück. Einen alten Baum verpflanzt man halt nicht. Wir bleiben zurück und warten seitdem darauf, dass sich mal wieder jemand hierher verirrt. Aber niemand kam. Statt dessen reisten wir in zunehmenden Maßen in die Niederlausitz, bis der Punkt erreicht wurde, an dem wir das einfach nicht mehr wollten.
Tja, viel Melodram und noch immer kein Reisebericht. Wo ich hinaus möchte, ist lediglich zu begründen, dass wir einfach keine Lust auf eine große Feier hatten. Esther hat im Sommer Geburtstag, was liegt da näher, als zu reisen. Die Welt steht uns offen, und Esthers wiedergefundener Spaß am Fliegen trägt seien Teil dazu bei.
Planungsphase
Irland stand schon so lange auf dem Wunschzettel. Doch wo fängt man da an? Der Linksverkehr war jetzt nicht sonderlich einladend. Als dann auch noch eine wenig zeitaufwändige Recherche (etwa zwei Stunden) hunderte von Sehenswürdigkeiten offenbarte, setzte eine Reiseunlust sämtlichen Irlandplanungen ein zwischenzeitliches Ende.
Doch die Motivation war nur kurz am Boden. Denn schnell kamen wir auf den Trichter, dass eine organisierte Busreise das leidige Problem mit dem Linksverkehr löst. Solche Reisen warten in der Regel mit einem Programm auf, in welchem die wesentlichsten Reiseziele bereits im Vorfeld bekannt sind. Man muss sich zudem nicht um die Unterbringung kümmern und meistens ist das Frühstück und das Abendessen ebenfalls organisiert. So etwas schlägt sich natürlich im Preis nieder. Aber hey, was war noch einmal der Grund für diese Reise?
Auch wenn langsam ein gewisser zeitlicher Druck zu spüren war, die Suche nach einem geeigneten Reiseanbieter machte Spaß. Der Termin war klar - aber sonst waren wir eigentlich für alles offen.
Leider kam die Information zu spät, dass Nordirland im Zuge einer Irlandreise nicht visumpflichtig ist. Das hätte den umfang an angebotenen Busreisen zum einen nochmals erheblich vergrößert. Andererseits sind gerade deshalb auch viele interessante Reisen ausgeschlossen worden. Irgendetwas war letztendlich immer, was wir an der einen oder anderen Bustour auszusetzen hatten und sei es nur ein angebotenes Gin-Tasting. Die Preise waren von Beginn an recht intensiv, jedoch kosten Flugreisen, Hotelunterkünfte mit Halbpension, diverse eingeplante Attraktionen und nicht zuletzt Bus, Busfahrer und Reiseführer ihr gutes Geld. Klar, es gab auch preiswerte Angebote, aber ich mag mir nicht ausmalen wo da Abstriche gemacht wurde. Geschenkt bekommt man heute eigentlich nichts mehr.
Am Ende buchte wir eine Busreise bei der Firma Wolters. An- und Abreise sollte an einem Sonntag stattfinden, und dazwischen geht es einmal durch Irland südlicher Hälfte. Der stolze Preis von gut 3.500 EUR für zwei Personen beinhaltete acht Übernachtungen in 4-Sterne-Hotels mit Frühstück, sieben Abendessen und eben der Rundreise mit einigen Attraktionen, einem Whiskey-Tasting.
Nicht eben preiswert, aber eigentlich dem Angebot angemessen und der perfekte Rahmen für eine Reise anlässlich eines 50. Geburtstages.
