Inhaltsverzeichnis
Tag 7 | Einmal Danzig – Kolberg und zurück | Epilog
Tag 8: Heimreise
I
Nach dem Klingeln des Weckers wäre es keine gute Entscheidung sich heute noch einmal umzudrehen und später völlig verpeilt im Schlafanzug in die Hotellobby zum Frühstück zu schlendern. Heute nicht, denn heute ist Abreisetag: Abreise aus Kolberg, Abreise aus Danzig, ja sogar Abreise aus Polen! Waschen, anziehen, Koffer schließen und kurz in die Liegestütz fallen, um einen prüfenden Blick unterm Bette schweifen lassen. Damit ist das Kapitel Hotelzimmer abgeschlossen und es geht zum Frühstück.
Wir sind gut in der Zeit und hoffen hier die Frühaufsteherin vom Dienst, Schwiegermutter Reinhilde anzutreffen. Doch diese steht zur gleichen Zeit ein paar hundert Meter entfernt an einem mobilen Fischgeschäft, in der Hoffnung Räucherware für die Heimfahrt kaufen zu können. Eine ähnliche Idee haben noch andere Urlauber, was den Fischverkäufer motiviert am Sonntagmorgen den Laden aufzuschließen und sich über die vielen Kunden zu freuen. Und so steht Reinhilde am Fischladen und wir am Buffet und füllen unsere Teller mit allem, wonach uns grad der Sinn steht. Fisch ist nicht dabei. Es gibt nämlich keinen.
Nach und nach erscheint die hungrige Verwandtschaft. Als dann irgendwann alle eingetroffen sind, verabschieden wir uns. Man soll schließlich gehen, wenn es am schönsten ist oder man keinen Zeitdruck haben möchte. Also wird Umarmt und gedrückt. Man wünscht sich eine gute Heimreise und scheidet von einander. Planmäßig zwei Stunden nach dem ersten Ton des Weckers rollt der Opel vom Hotelparkplatz und bringt uns in Richtung Heimat.
Kolberg liegt schnell hinter uns. Köslin taucht auf und verschwindet ebenfalls im Rückspiegel. Nach kaum dreißig Minuten meldet sich zu einer recht unpassenden Zeit die Blase. Schließlich liegen da noch viele Kilometer zwischen uns und dem Danziger Flughafen. Noch liegen wir gut in der Zeit und dabei soll es bleiben. Diese Pause nutzen wir gleich noch zum Tanken, so dass wir kurz vor dem Ziel nur eine Kleinigkeit nachtanken müssen. Erleichtert und mit vollem Tank stehen wir an der Auffahrt zur S6 warten bestimmt fünf Minuten auf eine Lücke im Verkehr. Kein Grund zur Sorge, wir haben genug Zeit.
Zurück auf der Schnellstraße S6, der Verkehr läuft, wenn auch relativ angespannt. Für einen Sonntag ist einfach zuviel los. Möglicherweise nutzte die Bevölkerung aus dem östlichen Polen das verlängerte Wochenende um die Ostsee zwischen Stettin und Danzig zu besuchen. Heute ist Heimreisetag und nun quälen sie sich mit uns gemeinsam über die S6 gen Osten. Das Navigationsgerät registriert den zunehmenden Verkehr und gibt sich fortan viel mühe, unsere Zuversicht und Gelassenheit zu stören. Die prognostizierte Ankunftszeit wird immer öfter korrigiert und steigt in fünf Minuten Schritten stetig an. Und ja, langsam werde ich unruhig.
Geplant ist, bis 13 Uhr das Auto an der Verleih-Station abzugeben. Der Flug geht erst um halb vier, aber mit all dem Anstellen, Überprüfen und Zurechtfinden wäre es besser, einiges an Zeit als Polster in der Hinterhand zu behalten. Irgendwo vor uns wartet viel Verkehr, Stau oder Sperrung. Der viele zeitliche Vorsprung zu Beginn schrumpft Stück um Stück.
Ich schaue mir eine andere NavigationsApp auf dem Smartphone an. Diese bietet eine alternative Route an. Auf dieser können wir zwanzig Minuten einsparen, in dem wir 30 Kilometer durchs polnische Irgendwo im Nirgendwo fahren. Über Wege, die noch nicht einmal die Einheimischen kennen. Navis sind dafür bekannt, sehr alternativ zu denken, wenn man sie erstmal machen lässt. Wir sind in einem fremden Land unterwegs, in einer fremden Gegend, das Auto gehört uns nicht und daheim wartet noch nicht einmal ein Hund - also legen wir unsere gute Laune in die Hände des zweiten Navigationssystems und lassen uns führen. Wie beim Tanzen.
Also hören wir tatsächlich mal auf das, was uns gesagt wird. Von einer Computerstimme. Oh je, wie weit sind wir gekommen. Der Opel verläßt die Schnellstraße und fortan geht es über Nebenstraßen vorwiegend durch viel Wald. Die Wege sind schmal, teilweise fast zu schmal. Jeglicher Gegenverkehr wäre zeitweilig wenig willkommen. Die Gegend wirkt menschenleer. Sogar die durchfahrenen Ortschaften sehen verlassen aus. Wir fahren einem anderen Navinutzer hinterher, der sich offensichtlich ebenfalls seinem Schicksal bzw. seinem Navi ergeben hatte. Aber es funktioniert, nach dieser kurzen Tour durch eine wunder- und einsame Landschaft gar nicht so weit von Danzig entfernt, sind wir wieder halbwegs im Plan.
Von diesem Erfolg übermütig geworden empfiehlt uns das Navi etwa zwanzig Minuten vor dem Ziel erneut die Fernstraße zu verlassen. Ohne zu überlegen tun wir das natürlich. Einmal ist keinmal, wer nicht wagt der nicht gewinnt, was einmal klappt auch ein zweites mal. Der Blinker tut sein Werk, und kaum haben wir die S6 verlassen, stehen wir im Stau. Der Weg durch die nächstgelegene Ortschaft ist fett rot markiert - Klasse! Hier geht es nur noch im Schritttempo vorwärts.
Der Beifahrer in mir erwacht und damit der Widerstand gegen die alles beherrschende Technik. Ich erspähe auf der Karte am gegenüberliegenden Ortsausgang eine BP-Tankstelle direkt auf unserer berechneten Route. Zwischen uns und der Tankstelle gibt es einen deutlich kürzeren Verbindungsweg weitab der roten Linie. Unser Automobil biegt in die Seitenstraße ein und sofort wird klar, dass hier der Begriff „Straße“ etwas fehl am Platze ist. Vielmehr ist es ein mit Betonplatten belegter Weg, wahrscheinlich vor sehr langer Zeit von Pioniertruppen der irgendeiner Armee angelegt, damit die eigenen Panzer nicht im polnischen Schlamm versinken. Der Weg ist kaum einen halben Kilometer lang, doch mit der Zeit im Nacken fühlt sich das deutlich länger an. Am Ende des Weges steht ein Schild, mit dem unmissverständlich ausgedrückt wird, dass hier die Weiterfahrt unmöglich ist. Esthers Seitenblick verspricht nichts gutes. Doch Wunder geschehen immer wieder, denn unmittelbar am Fahrbahnende bietet sich uns eine kleine Auffahrt auf das Gelände unserer Tankstelle. Ich antwortete Esther mit einem triumphalen Blick.
Wir nutzen die Chance und füllen den Tank randvoll. Esther geht nochmal auf die Toilette, damit wir anschließend die letzten Kilometer in Angriff nehmen können. Ich warte währenddessen auf dem Beifahrerplatz und registriere hinter unserem Opel bereits weitere Autos. Wo Esther nur wieder bleibt. Nun mache ich noch nicht einmal im Ansatz etwas, um den Platz an der Zapfsäule zu räumen. Die zunehmend brenzlichere Situation ignorierend warte ich auf dem Beifahrersitz und lege mir ein paar passende Worte im besten englisch bereit, zu denen ich aktuell fähig bin: „i cannot drive, the driver is on closet. Please wait some minutes“. Was nicht im Geringsten gelogen wäre.
Die BP-Tankstelle besitzt eine Auffahrt auf die vom Navi empfohlene Straße. Dank unserer kleinen Abkürzung befinden wir uns nun auf der anderen Seite der Ortschaft. Somit war das Ganze am Ende sogar ein Zeitgewinn und getankt hatten wir nun auch. Allerdings war es nun Punkt 13:00. Um den Anruf bei der Autovermietung kommen wir nun nicht mehr herum. Ich rufe an und schätze unsere Verspätung auf etwa 15 Minuten. Während der nächsten fünfzehn Minuten sind wir erneut auf einer Betonplattenpiste unterwegs. Zusätzlich sind hier künstliche Huckel installiert worden, um damit die Geschwindigkeit der Fahrzeuge deutlich zu drosseln. Aber sicher nicht um damit Menschenleben zu schonen, sondern eher die Stoßdämpfer und Achsen der bemitleidenswerten Fahrzeuge. Es war ohnehin nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit möglich.
Exakt 15 Minuten nach meinem Anruf steht der Leihwagen am Haus Alpha, der Verleih-Station. Heute empfängt uns ein anderer junger Mann. Er scheint beeindruckt von Esthers Einparkkünsten. Nicht zum erstenmal in dieser Woche lenkt sie das Fahrzeug mit traumwandlerischer Gelassenheit in eine enge Lücke. Der Angestellte des Autoverleihers inspiziert intensiv das Fahrzeug, macht ein paar Fotos und schickt uns das Protokoll von der Fahrzeugübernahme per Mail. Alles in Ordnung - aber was sollte auch nicht in Ordnung sein. Abgesehen von vielen hunderten Kilometern polnischer Land- und Fernstraßen ist dem Auto nicht passiert. Opel ist keine unserer Lieblingsmarken - aber dieser Astra war uns stets treu ergeben und problemlos zu fahren.
II
Dank whatsapp wissen wir, dass die Karin und Sven längst auf dem Flughafengelände angekommen sind. Doch wo treiben sich die beiden herum? Wahrscheinlich da wo Rauchen erlaubt ist. Und tatsächlich, schon von weiten ist Sven im Raucherbereich am Eingang ins Flughafengebäude zu sehen. Auch wir sind ihm direkt ins Auge gefallen. Das erste kleine Problem ist schon mal gelöst.
Bis zur Öffnung des CheckIns ist noch für einige weitere Zigaretten und den Gang zur Toilette Zeit. Dann aber reihen wir uns artig in die lange Schlange derer ein, die Koffer, Rucksäcke und Hunde mit Kinderwagen abzugeben gedenken. Da gibts Reisende mit Hunden, die ihre kleinen krummbeinigen Kläffer im Kinderwagen mit sich führen. Reisegruppen älterer Damen, die mit ihren Koffern gar nicht klar kommen. Aber die Zeit ist mit uns. Solange ich ich nachher im Flieger weder einen Dackel noch eine der reizenden Renterninnen auf den Schoß nehmen muss, ist mir das ganze ziemlich egal. Der Flieger wird nicht früher abheben, nur weil wir schneller den CheckIn passieren.
Ein paar Meter weiter nähern wir uns einem Irrgarten aus Absperrbändern, der den Reisenden den Aufenthalt im Vorfeld der Sicherheitskontrollen recht abenteuerlich gestaltet. Der durch die Bänder verlängerte Weg ist allerdings nicht der Grund für die sich bildenen Schweißtropfen auf meiner Stirn. Zu viele Reisende befinden sich inmitten des Irrgartens. Hier ist echt was los. Hat Danzig schlagartig an Attraktivität verloren? Warum wollen hier soviele weg?
Was wäre, wenn wir heute morgen in Kolberg nur eine halbe Stunde später losgefahren wären? Schon unterwegs hätte sich die Fahrtdauer deutlicher erhöht und wir hääten die Flughafen noch einiges später erreicht. Ob dann noch mehr Betriebsamkeit die Abfertigung hinausgezögert hätte, nun, wäre, hätte, völlig egal. Es ist wie es ist - oder auf kölsch: Et is wie et is! Belassen wir es dabei. Die Schlange hier im Irrgarten bewegt sich schneller als man es für möglich halten würde. Wir sind in der Tat sehr entspannt und lassen ein paar eilige Leute vorbei.
Halb in Gedanken an die recht unentspannten Kontrollen am Prager Flughafen im vergangenen Jahr nähern wir uns den Transportbändern und Personenscannern. Welch penetrante Untersuchung erwartet uns wohl hier in Polen. Abgesehen von den Piroggen befindet sich nichts aufregendes in unserem Gepäck, was Grund zur Besorgnis liefert. Okay, da wären noch ein paar Magnete und anderer Touristenkram. Und natürlich immer noch ein knappes Dutzend Vorurteile gegenüber unserem Gastgeberland, dem ich noch immer nicht recht über den Weg traue. Das braucht sicher noch seine Zeit.
Eben habe ich den Gürtel meiner etwas weiten Hose in die Kiste gelegt und kurz darauf bin ich schon auf der anderen Seite des Personenscanners. Die gürtellose Hose folgt dabei nicht wie befürchtet der Schwerkraft. Nun ist die Kontrolle um und ich führe den Gürtel wieder seiner eigentlichen Aufgabe zu.
Schauen wir doch mal, was im Dutyfree-Bereich angeboten wird. Es gibt einige tolle Sachen zu angenehmen Preisen - ausschließlich für Flüge ins EU-Ausland und dazu zählt das Rheinland leider nicht. Also bleibt es beim Anschauen. Kein Whisky für mich und keine Zigaretten für Esther, wobei es ihre Marke eh nicht gibt. Wir werden wohl auch diesmal ohne Geld auszugeben diesen teuflischen Bereich durchqueren. Doch dann kommen wir an einem Regal mit Piroggen vorbei. Gibt es steuerliche Vorteile beim Kauf von Piroggen in einem Duty Free-Shop eines europäischen Mitgliedslandes? Ist uns das egal? Wir verfügen noch über unglaubliche 100 Zloty, die wir nun in die leckeren Teigtaschen investieren. Somit haben wir seit langer Zeit mal wieder Geld in einem Dutyfree-Shop ausgegeben.
Unsere Planung beim Hinflug sah das Mitführen einer leere Flasche zur Nutzung eines Wasserspenders vor. Bekannterweise hat das nur bedingt funktioniert. Beim Rückflug sind wir nicht motiviert, dieses zu wiederholen. Sämtliches Leergut haben wir noch vor der Sicherheitskontrolle fachgerecht entsorgt und uns diesmal im Dutyfree-Bereich einige teure Wasserflaschen gekauft. Laut Murphys Law war beinahe klar, dass wir nur wenige Meter von unserem Gate entfernt ein Trinkwasserspender entdecken. Hier tummeln sich jene Fluggäste, die ihren Glauben an kostenlos bereitstelltes Trnkwasser nicht verloren haben. Es sei ihnen gegönnt!
Auf dem Rollfeld steht inzwischen unser Flieger in die Heimat. Etwas zu weit für den direkten Zugang vom Gateway, zu kurz für einen Transfer per Bus. Was solls, da draußen scheint die Sonne und der allmächtige Fitnesswahn bekommt einmal mehr seine volle Befriedigung: Es geht zu Fuß über den harten Flugplatzbeton zum Flugzeug. Vorrausschauend bewegen wir uns zum hinteren Einstieg unseres Airbus A319. Eine Schlange hier am hinteren Gangway ist nämlich kaum vorhanden und über die Treppe geht es nun flott hinauf ins Flugzeug. Am vorderen Eingang des Flugzeugs staut es sich, doch das kümmert uns gerade wenig. An unserem Sitzplatz angekommen versuchen wir erst gar nicht unser Gepäck in die Gepäckaufbewahrungsfächer zu verstauen. Unter dem Vordersitz ist ausreichend Platz. Der Fensterplatz neben mir ist diesmal nicht frei. Ein junger Mann sitzt bereits am Fenster und wird mit uns zusammen nach Düsseldorf fliegen.
Auf dem Heimflug lerne ich eine Lektion zum Thema persönliche Freiheit und körperliches Unwohlsein. Die Plätze hier im Flieger sind einfach zu eng. Es ist unmöglich beieinander zu sitzen, ohne dass die Oberarme der Sitznachbarn Bekanntschaft schließen und sich stets und ständig berühren. Ich empfinde einen solchen ungewollten körperlichen Kontakt nicht angenehm. Deshalb sitze ich beinahe während des gesamten Fluges vornübergebeugt und freue mich auf die Landung in Düsseldorf. Nach etwa achtzig Minuten wird mit dieser Wunsch erfüllt.
III
Deutschland hat uns also wieder. Der Airbus setzt sacht auf dem Rollfeld auf, dreht noch eine kleine Runde und spuckt uns schließlich inmitten einer Betonwüste aus. Hier erwarten bereits zwei Busse die Fluggäste und befördern diese zur langweiligen Architektur des Düsseldorfer Flughafens. Stahlbeton und Glas soweit das Auge reicht. Dazwischen hektische Betriebsamkeit, nun bereichert mit zwei Busladungen Reisender aus Danzig. Man verlässt den Bus und tritt durch sich automatisch öffende Türen in das Innere des Flughafengebäudes. Wie ferngesteuert durchquert man beinahe leerstehende Räume, schreitet langweilige Gänge entlang und erreicht schließlich die heilige Halle der niemals stillstehenden Kofferbänder. Eine Vielzahl dieser Bändern langweilt sich, nur auf einem fährt ein herrenloser Koffer Karussell. Wiederum andere Bänder sind arg von Wartenden umlagert. Und genau diese steuern wir nun an.
Wir finden das Kofferband, an dessen digitaler Anzeige unser Flug anzeigt wird. Zahlreiche Menschen warten bereits und müssen sich der Anzeige nach noch zehn Minuten gedulden. Hier ist es langweilig. Es gibt noch nicht einmal Geldwechselautomaten, die man erfolgreich ignorieren kann. Was solls, es gibt Toiletten. Also besuche ich diese und nehme somit etwas Zeit von der Uhr. Es ist fast wie in der 95. Minute beim Fussball und die führende Mannschaft vergräbt im sprichwörtlicheren Sinne den Ball an der gegnerischen Eckfahne. Irgendwann wird es dem Schiedrichter zu bunt und pfeift das Spiel ab. Oder in unserer Situation: Das Transportband setzt sich in Bewegung und spukt zu unserer großen Freude gleich zu Beginn unsere Koffer aus. Das Spiel ist vorbei, Zeit heimzufahren.
Beim Verlassen des Terminals steht die nächste Raucherpause an. Dabei sind es nur wenige hundert Meter bis zum Bollerwagen, der in seinem dunklen Verlies tief unter dem Marriot-Hotel wartet. Also sind wir erneut am Warten - eine ganze Zigarettenlänge lang.
Das Auto wiederzufinden ist aufgrund der weiträumigen mehrtägigen Parkhausanlage eine herausfordernde Aufgabe für uns alle. Die Etage ist uns bekannt und außerdem ist das Deck an diesem Sonntagnachmittag bereits recht leer. Und trotzdem - es braucht seine Zeit, bis wir den Stellplatz des VW Touran entdecken. Doch wir finden das Auto, verladen unser Gepäck und sind voller Vorfreude auf die letzten Kilometer des Heimweges. Was sollte uns jetzt noch aufhalten? Eine nicht funbktionierende Schranke an der Parkhausausfahrt etwa? Ein unüberschaubares Labyrinth von Straßen auf dem Flughafengelände? Ein Navigationsgerät, welches uns heute schönsten Routen durchs schöne Thüringer Land präsentiert?
Also von vorn: Die Ausfahrt funktioniert einwandfrei. Doch dann setzt Sven seinen nicht enden wollenden Kampf mit seinem Navigationsgerät fort. Vielleicht hätte er im Vorfeld die nötigsten Adressen einspeichern und damit die Kommunikation zwischen Auto, Fahrer und Navi vereinfachen können. Aber das sagt man so leicht. Unser kommender Urlaub in Schweden wird zeigen, ob eine solche vorausschauende Bedienung des Navigationsgerätes tatsächlich zielführend ist.
Und so kommt natürlich wie es kommen musste: Wir versuchen ohne Navigationsunterstützung das Flughafengelände in Düsseldorf zu verlassen. Und scheitern schon nach wenigen Metern. Das Wegenetz auf dem Navi schaut aus wie die Spaghetti auf einem gut gefüllten Pastateller. Wir fahren kurz an die Seite, klären offende Fragen mit der Zielführung und können nun Dank eines perfekt instruierten Navis den Heimweg antreten. Der Touran biegt zweimal ab und schon haben wir den Flughafen hinter uns gelassen. Der restliche Weg zum Hause der Bollers im Bonner Umland ist gezeichnet von der grauenvollen Realität des sonntägliche Rückreiseverkehrs nach einem verlängerten Wochenende. Hier und da ein Stau, mal gehts im Schritttempo und mal in gefühlter Lichtgeschwindigkeit voran.
Die deutsche Autobahn ist wie immer Kampfgebiet. Ein Jeder hat ein Ziel vor Augen und nimmt in seltenden Fällen Rücksicht auf andere Verkehrteilnehmer. Es wird gedrängelt, die Spur häufiger als nötig gewechselt und ins Lenkrad gebissen. Wo verdammt ist Cobra 8, wenn man die Autobahnpolizei am nötigsten braucht? Seitdem ich ein Auto mit gerade mal 60 PS fahre, bin ich ruhiger geworden. Auf solche Situationen muss man mit völliger Gelassenheit reagieren. Man lässt die anderen Verkehrsteilnehmer tun und machen wonach ihnen gerade der Sinn steht. Oder man macht’s wie Sven und mischt voll mit. Gefahrenbremsung inklusive. Der Puls bedankt sich für die Aufregung und geht direkt durch die Decke. Dann beruhigt sich alles wieder und weiter gehts mit maximaler Geschwindigkeit.
Doch jede Autobahn hat einmal die passende Abfahrt parat. Die letzten Kilometer von der Abfahrt Alfter bei Bonn fahren wir über eine Landstraße und kurz darauf erreicht der Bollerwagen seine heimatliche Auffahrt. Nach einer für meinen Geschmack etwas zu aufregenden Heinfahrt hat uns Sven wohlbehalten bis hierher gebracht. Bevor wir uns nun in unser eigenes Auto setzen und die letzte kurze Etappe nach Hause angehen, ist natürlich noch Zeit für einen weiteren Glimmstengel im Garten von Karin und Sven. Dann aber steigen wir in unseren Skoda, der hier ohne zu Murren auf unsere Rückkehr ausharrte, und legen die allerletzte Etappe unseres Danzig-Kolberg-Abenteuers zurück.
ENDE
