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Inhaltsverzeichnis

Bonn'a'parte

(2011)

I

Gestern stattete ich Deutschlands ehemaliger Hauptstadt einen kleinen Besuch ab. Einer Stadt, die es möglicherweise wirklich verdient, aus vollsten Zügen verachtet zu werden. Es sei denn, man wohnt dort oder fühlt sich aus einem anderen Grund von diesem Text auf das Schwerste verletzt. Dann besser nicht weiterlesen, denn hier werden keine Gefangenen gemacht und dennoch, der erste Schein trügt manchmal gehörig - auch bei diesem Beitrag.

Ich verachtete diesen kümmerlichen Flecken Erde am Rhein nahezu des größten Teils meines ähnlich kümmerlichen Lebens aus vollstem Herzen. Dieses Nest, das viel kleiner als das hinreichend gelobte Dresden ist und an Arroganz sogar bayrische Hochburgen in den Schatten stellt. Wieso aber ist das so und warum setzte ich anfangs meine Emotionen in den Präteritum? Immer der Reihe nach, ich beginne ganz am Anfang.

Es ist Samstag, meine Erstgeborene hat einen wichtigen Termin in Bonn und ich nutze diese Chance, meiner Herzdame die Stadt meiner alljährlichen Weihnachtsmarktbesäufnisse etwas näher zu bringen.

Aus rein verkehrstechnischen Gründen platzierte ich mein treues Gefährt am Hauptbahnhof der Bundesstadt und stand kurz darauf zum ersten mal im Dreck. Es sollte nicht die letzte Baustelle sein, und dennoch ein perfekter Fehlstart im Kampf um Sympathiepunkte. Und Voreingenommene fühlten sich einmal mehr in ihrer Meinung bestärkt. Ab zum Bahnhof, ran an den Automaten und die ersten Verlierer des Bonner „Way of life“ bettelten mich um Kleingeld an. Es sollten nicht die Letzten ihrer Art sein. Ich spielte ein wenig Lotto bei der Wahl des Familientagestickets und gewann, wie ich später feststellen durfte. Der Eingeborene mag die Tarife vielleicht mit in die Wiege gelegt bekommen, Normalsterbliche bedürfen allerdings etwas Hilfe in Sachen Tarifzonen.

Die auffällig tolle Bodenbeschaffenheit sticht dem Reisenden sofort ins Auge. Nein, hier werden keine weissen Linien mit Farbe gezogen, hier wird auch kein heller Beton zum Herausheben markanter Hinweise genutzt. Das hier ist Bonn und hier ist nichts gewöhnlich. Bonn, das Las Vegas Europas verwendet dunklen Granit und weisse Marmoreinlegearbeiten, und das Bahnhofsweit, jedoch ohne den obligatorischen Goldrand. Selbst die vielen Stufen hinauf zum Bahnsteig sind mit diesen kostspieligen weißen Linien versehen.

Unglaublich, dass sich Bonner Steuerzahler so vehement über den Solidaritätszuschlag aufregen, landen doch Steuermilliarden selbst in dieser kleinen Gemeinde, die diese natürlich auch auszugeben weiß. Siehe World Conference Center und Beethovenhalle. Okay, Neid der Besitzlosen, ich höre ja schon auf…

Ab in die U-Bahn und los geht’s. Warum diese Stadt allerdings ein solches Fortbewegungsmittel besitzt, wissen nur Einheimische. Dutzende größere deutsche Städte kommen auch mit der gewöhnlichen Straßenbahn klar, über welche natürlich Bonn ebenfalls verfügt.

Drei Minuten und nur eine Station später wieder raus aus der Bahn und ab an die Oberwelt. Und nun endlich gab es wirklich Futter fürs Auge satt. Die Universität erstrahlte all ihren Glanz bei bestem Frühlingswetter mitten im April. Im Rücken der Hofgarten und der Rhein in unmittelbarer Nähe. Aber zuerst folgten wir den vielen Wegweisern zum Stadtmuseum und standen wieder mitten im Dreck einer weiteren Baustelle.

Und damit soll es nun endlich reichen. Mein Rundgang durch die Bonner Innenstadt beginnt am Alten Zoll mit einem Rheinblick, der es in sich hat. Den zurückgelassenen Dreck der nächtlichen Bewohner der wenigen Bänke übersehe ich mal, damit hat wohl jede halbwegs große Stadt zu kämpfen.

Nun weiter in Richtung Innenstadt. Viel Aufregung allerorten wegen des morgen stattfindenden Bonn-Marathons. Eine Zeltstadt, hunderte Dixi-Klos und ungenutzte Absperrzäune vor der Universität, ein Shopping-Mekka für Dauerläufer auf dem Münsterplatz, Bühnen und Tribünen an verschiedenen Stellen der Stadt. Ja, Bonn ist bestens vorbereitet, wenn morgen ein paar tausend Läufer die 42195 Meter zurücklegen wollen.

Neben einigen Bettlern einige Greenpeace-Aktivisten mit einem Anti-Atomkraft-Stand, ein Markt mit Bio-Lebensmitteln, ein (viel größerer) Obst und Gemüsemarkt vor dem Rathaus (wahrscheinlich kein Bio), eine kleine Iran-Demo und zwei Tangotänzer, die für das leidgeprüfte Japan das Tanzbein über das Parkett des Friedensplatzes schwangen. Meine glänzende Ortskenntnis zwang uns, zuerst zu Fuß den langen Weg zurück zum Bahnhof anzutreten. Und von dort dann, wie zuletzt bei der einen oder anderen Glühweinschlacht, einen hoffentlich ereignisreichen Kreuzzug durch die zweitälteste Stadt Deutschlands anzutreten.

Viel Stoff für einen Sonntagabend, und ehrlich gesagt, morgen ist auch noch ein Tag. Kein Beginn einer neuerlichen Neverending Story, morgen geb ich euch den Rest – versprochen! Andernfalls sind aber auch die angenehmsten meiner Arbeitskollegen Bonner Bürger (oder wohnen im Bonner Speckgürtel), etwas Rücksicht meinerseits sei also durchaus angebracht.

Morgen geht’s weiter und dann werdet ihr erfahren, ob Bönnsch besser als Kölsch schmeckt, ob kleinkriminelle Akkordeon-Spieler ihr Instrument beherrschen und warum Bonn nicht Dresden ist.

II

Nachdem ich zuletzt einen Teil der Bevölkerung Bonns gegen mich aufbrachte (ein weiterer Teil verließ überstürzt mit Sack und Pack diese Stadt) und nun einem lebenslangen Einreiseverbot in die Stadt meiner Alpträume entgegensehe, werde ich heute den langen Marsch durch Dekadenz, Elend und bestem Wetter ein wenig näher beschreiben. Von einer geordneten Führung durch diese Stadt am Rhein konnte allerdings keine Rede sein. Die absolut ortsunkundige Ehefrau drängte es stets in belebte Seitenstraßen, deren Verlauf mir völlig unbekannt war. Mit viel Glück und etwas Geschick fand ich jedoch immer wieder auf die geplante Route quer durch die wirklich tolle Bonner Innenstadt zurück.

Rein in das eine Kaufhaus, wieder raus und ab ins nächste…Frauen entwickeln in solchen Sachen ein Durchhaltevermögen, welches man niemals ihnen zugetraut hätte. Aber wehe dem genervten Ehemann, er findet ein Geschäft seines Interesses. Dann tun der Dame plötzlich die Beine weh, der Rücken schmerz, die Zeit wird knapp… Von wegen Männer jammern immer nur – Jungs, nehmt Eure Frauen hin und wieder mit in Bau- oder Technikmärkte und schleift sie mal durch die Gänge, deren Angebote hart an der Grenze zur Frauenfeindlichkeit vorbei schrammen. Nein, nicht nur Männer jammern…

Ich zeigte meiner Liebsten natürlich auch den Standort des Riesenrads auf dem alljährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt. Dem Fleck, der als Sammelpunkt bei unseren Glühweinorgien das unglaubliche Organisationstalent des heutigen Mannes beweist.

Vom Münsterplatz ging’s weiter zum Rathaus, hier war Markt und Marathonziel. Demnach gab es eine Vielzahl von Obst und Gemüseständen auf der einen und Absperrzäune auf der anderen Seite. Schnell weiter zum Friedensplatz, jedoch kam mir diesmal der Weg dorthin viel länger als noch zu Weihnachten vor. Pah, Einstein, Raum muss man nicht krümmen, um den Weg von A nach B zu verkürzen. Ein paar Tassen Glühwein bewirken ein ähnliches.

Langsam wurde es auch Zeit, dem Knurren im Magen Tribut zu zollen und was liegt da näher als ein Besuch im Bönnsch. Das ist zum einen der Name einer urigen Bonner Kneipe und zum anderen der Name eines bierartigen Gebräus, welches zwar herber, hopfiger als Kölsch daher kommt, aber im Abgang ähnlich charakterlos bleibt. Der Brauhaus-Schmaus blieb seinem Namen in nichts schuldig, auch wenn ich wehmütig an meine Waage daheim denken musste. Während der Wirt hinter dem Tresen lauthals eine Mitarbeiterin faltete, wurde mir allmählich bönnsch im Kopf und es wurde Zeit die Örtlichkeit zu wechseln.

Gut genährt ging’s dann am Sterntor vorbei in weitere Geschäfte. Aber nur Gucken und nicht anfassen - Verehrteste! Wenn schon Shopping, dann mit Stil und ohne Blutvergießen – ehm, Geldausgeben, denn so macht’s auch mir ein wenig Spaß. Aber das Grinsen verging mir rasch, als diverse Vorgänge in meinem Unterleib mir klar zu verstehen gaben, dass ich mich schnellstens auf die Suche nach einer Toilette begeben sollte. Heimscheißer Wusch in knallharter Aktion, besser man kommt mir in einer solchen Situation nicht in die Quere. Die Suche nach einem geeigneten Abort gestaltete ich schwierig, da inkl. Kellergeschoß das eben betretene Geschäft über insgesamt 5 Etagen verfügte. In der obersten Etage befand sich endlich der Ort der Bedürfniserleichterung und wahrlich erleichtert konnten wir unseren Fußmarsch durch die City fortsetzen.

Wir beschlossen die rauchenden Socken in einem gut besuchten Straßencafe abkühlen zu lassen. Dies natürlich mit einem gut gekühlten Hefeweizen für den Herrn und einem Kaffee Latte für die Dame. Am Nachbartisch führte eine unangenehm wirkende Frau einen Kleinkrieg mit der bemitleidenswerte Kellnerin. Ein junger Mann in Jogginghosen und Gangsterbrille haute kräftig in die Tasten seines Akkordeons und ich kritzelte fleißig Hirnschmalz in den Taschenplaner meiner Dame. Andere Schreibutensilien waren halt gerade nicht zur Hand.

Schräg gegenüber sitzt ein wahrhaftiges Original, Halbglatze, langer weißer Bart und eine John-Lennon-Gedächtnis-Nickelbrille, etwa 60 Jahre alt und schwer am schwatzen. Der Musiker zu meiner Rechten macht sich gerade auf, mit einem Pappbecher Spenden der beschallten Cafebesucher zu sammeln. Ich spende einen Euro, halte mich für einen unglaublich guten Menschen und mache ein paar Fotos von einer nervigen Taube zu meinen Füßen. Die Horrortante von gegenüber beanstandet gerade ihren Kaffee, der mit jeder Aussage von eben noch „nicht heiß“, auf „Nur warm“ bis hin zum „Fast kalt“ wechselt. Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir vor, wie das arme Ding von Kellnerin der Zicke den „Eiskalten Kaffee“ über den Spießerkopf gießt, höhnisch lächelt und dann sich nochmals über die Temperatur des edlen Getränks erkundigt. Manchmal liebe ich das Kopfkino.

Fünf Minuten später stehen doch tatsächlich die nächsten Musiker parat, ähnlich skurril gekleidet und diesmal mit Violine und Akkordeon. Doch bevor diese jedoch ebenfalls einen Teil meines sauer verdienten Geldes erbetteln können, machten wir uns lieber aus dem Staub.

Allmählich beginne ich dieser Stadt einige positiven Seiten abzugewinnen. Auch wenn es kaum mit meinem Gewissen zu vereinbaren ist, lobende Berichte zu schreiben und ich wohl besser noch einmal eine Nacht darüber schlafen sollte. Lest also demnächst an gleicher Stelle, warum Bonn doch nicht so übel ist, warum Beethoven lieber in Wien lebte als in Bonn und warum diese Stadt am Rhein die erfolgloseste Fußballstadt Deutschlands ist.

III

Es war Napoleon der Dritte, der 1871 von den Preußen schwer auf die dreieckige Mütze bekam. Dies hier ist der dritte Teil meiner kleinen Bonn-Geschichte, und bei Gott – bislang hat auch diese Stadt gehörig Prügel bekommen. Es wird Zeit, endlich mal ein paar positive Worte über Deutschlands ehemaliger Hauptstadt zu verlieren.

Bonn ist eine Stadt, die sehr an die Bedürfnisse ihrer Einwohner denkt. Einen Straßenstrich etwa gibt’s hier nicht, da die leichten Mädchen hier in eigens von der Stadt aufgestellten Containern ihrem Gewerbe nachgehen können. Diese Stadt reich an Steuergeldern und großen Firmen wie Post, Telekom oder Haribo. Und dennoch nicht in der Lage eine halbwegs erfolgreiche Fußballmannschaft aufs Feld zu schicken. Wo die Boulevardpresse anderer Großstädte Seiten mit Ergebnissen verschiedenster Stadtmannschaften füllt, steht in Bonn etwas über ausgerissene Hunde, alte Karnevalskamellen und jede Menge Mord und Totschlag. Und von letzterem gibt’s auch eine ganze Menge, logisch, dass da Deutschlands liebste Sportart viel zu kurz kommt.

Aber zurück in die City, zurück an den Platz, an dem ich euch zuletzt verlies, um heute zurückzukehren. Ich hoffe, ihr hatten zwischenzeitlich eine schöne Zeit. Und seid nun ganz Ohr, oder wenigstens etwas gespannt auf das, was jetzt wohl kommen mag.

Frisch gestärkt und angriffslustig eroberten wir nun Schaufenster für Schaufenster aus den grauenvollen Händen des Unbekannten zurück. Grob ging es nun in Richtung Universität vorwärts und auf dem Weg dorthin winkte Beethovens Geburtshaus den zumeist asiatischen Touristen freundlich zu. Ein enges und tatsächlich rosa gestrichenes Reihenhaus – wen wundert es da, dass der junge Ludwig schon mit 17 diese Stadt fluchtartig verlassen hat und so schnell nicht wieder zurück kam.

Auf uns wartete nun eine schwerwiegende Entscheidung: Nehmen wir die U-Bahn oder laufen wir die knapp zwei Kilometer, welche uns von unserer gut beschäftigten Tochter trennen. Die Süße wurde in das Geheimnis guten Benehmens eingeführt, leise Zweifel am Sinn und Erfolg sind angebracht, aber Wunder geschehen bekanntlich immer wieder. Es war noch früh am Tag, die Sonne lachte und so schlenderten wir der Rheinpromenade entlang ein Stück flussaufwärts. Ein idyllisches Fleckchen Erde, genossen von vielen Bonnern und uns mittendrin.

Moby Dick, ein Ausflugsdampfer mit sehr verdächtigem Außenanstrich, lag gut vertäut am Kai. Gesichert von mehreren Kilometern Stacheldraht wurde hier jeder noch so geringe Versuch, das Schiff trockenen Fußes zu erreichen, im Keim erstickt. Kein „Bonn ahoi“ oder „Lampedusa - ich komme“ würde so jemals über den Rhein hallen. Auf der anderen Seite des Flusses sorgten ohnehin einige Jet-Ski-Raudis dafür, dass solche Rufe ungehört irgendwo im Nirvana verhallten. Die Jungs pflügten mit ihren Wasserfahrzeugen durch's Niedrigwasser und boten dem nicht enden wollenden Gezwitscher unzähliger Federviecher gehörig Paroli.

Einige Fotos und zwei paar schmerzende Füße später erreichten zwei müde Figuren endlich die Stelle, an der es über Treppen hinfort vom Rhein, entlang des Auswertigen Amtes (Dienstsitz Bonn) hin zum Hotel Kanzler ging. Und weiter geht’s mit diesem Teil nun erst einmal auch nicht, da die maximale Länge dieses Textes längst überschritten ist. Dafür werde ich nun mal nicht bezahlt, tut mir leid. Aber ich kann ein wenig Hoffnung säen, der letzte Teil liegt schon fertig in der Schublade. Falls ich beim Renovieren morgen nicht von der Leiter falle, dann gibt’s den krönenden Abschluss frei Haus.

IV

Nun wird es langsam Zeit, diesen Reisebericht zu beenden. Ursprünglich als Vierzeiler geplant, sind nun mehrere Seiten edlen Textes zusammen gekommen. Aber damit sein nun genug, eure Geduld ist genug auf die Probe gestellt worden.

Inzwischen gibt’s das erste ernstgemeinte Angebot eines Kollegen für eine ordentliche Stadtführung, damit ich endlich etwas Ordentliches über diese merkwürdige Ansiedlung merkwürdiger Geschöpfe schreibe. Ich habe dankend angenommen, doch keine Angst, einen weiteren langweiligen Bericht über die zweitälteste Stadt dieser Republik wird es nicht geben. Genießen möchte ich die Tatsache aber schon, einmal über einen eigens für mich grün gestrichenen Rasen zu gehen und ein Mekka an Sauberkeit und Eleganz bestaunen zu dürfen.

Nun aber in bester Serienmanier zurück nach Bonn. Was bislang geschah: Mein Sprössling hatte in Vorbereitung auf Ihren großen Tag in Bonn einige wichtige Termine und ihre beiden Alten nutzten die Chance, sie dort hinzufahren und sich anschließend bummelnd die Stadt anzusehen. Shopping-Tour, Kneipenbesuch und das Bestaunen der City haben dafür gesorgt, dass die beiden nach etwa sechs oder sieben Stunden ein wenig Fußlahm am Hotel Kanzler in der Bonner Südstadt anlangten. Die nun folgenden Ereignisse finden in einer Zeit von 17-22 Uhr statt und spielen in Echtzeit…

In direkter Nachbarschaft des Hotels befindet sich das Museum König, einer Art Naturkundemuseum und, wie ein Kollege stolz verkündete: die Wiege unserer Demokratie. Das lasse ich mal ganz wertungsfrei so stehen, und bringe sofort die Begründung für diese unglaubliche Aussage. Im Museum König wurde im September 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert, was somit einer Gründung dieses Staates gleichkommt. Nun seid ihr alle schlauer und ich habe wieder einmal meinen Beitrag geleistet, ein paar der letzten Fragen dieser rätselhaften Welt zu lösen.

Die Wartezeit nagte an der Geduld der im Umfeld des Hotels auf ihre Sprösslinge wartenden Eltern. Aus 19 Uhr wurde 19.30 Uhr, dann 20 Uhr und am Ende gar 20.15 Uhr, und kaum eine Möglichkeit vor Ort sinnvoll die Zeit totzuschlagen. Nun, wir legten dann doch noch humpelnd ein paar Meter zurück und durchstreiften die nähere Umgebung. Auf der anderen Straßenseite befand sich die Einfahrt zur Villa Hammerschmidt, der Nebenwohnung eines gewissen Herrn Wulff. In der Nähe auch noch Justizministerium und Kartellamt, eine Synagoge, aber wirklich sehenswert war das alles nicht. Die Bundespräsidenten-Villa war nur zwischen Bäumen hindurch zu sehen, eindrucksvoll und wahrscheinlich verdammt viele Steuermillionen im Unterhalt teuer. Und keine Konkurrenz zum Schloss Bellevue in Berlin.

Der Spaziergang durch die Villen- und Reihenhausidylle in der Nähe des Museum König lies mich an Dresden denken. Fast fühlte ich mich heimisch, doch dann bemerkte ich kleinere Mängel an der Bausubstanz, Graffityschmierereien, Beschädigungen, Schmutz – nein, das hier ist nicht Dresden. Aber wenn man ein wenig putzt, dann schaut’s vielleicht ein wenig wohnenswerter aus.

Ein Radfahrer genoss die Chance einmal Macht über die ihm folgenden Autofahrer auszuüben. Unterwegs auf einer halbseitig gesperrten Straße, die zum Überholen viel zu eng war, fuhr unser Freund unbeirrt in der Mitte und die Autofahrer folgten brav im selben Tempo. Sind die Bonner etwa doch verständnisvoller und freundlicher als bislang behauptet? Ich bleibe skeptisch.

Endlich fand die zeitlich überzogene Samstagbeschäftigung meiner Tochter ein Ende und nun sollte es auch schnellst möglichst nach Hause gehen. Mit beiden Frauen im Gepäck ab zur Haltestelle, rein in die U-Bahn, am Bahnhof wieder raus, hin zum Parkhaus, ran an den Automaten und schnell die Parkhausrechnung über 17 Euro (Schnief!) zahlen. Das Parken in dieser Ruine von Baustelle ist aber gehörig teuer – liegt wohl an der Bonn-Zulage. Ach was, es ist spät geworden, und wer weiß was man mit Ungläubigen in dieser Stadt macht, die nach Sonnenuntergang umher irrend aufgegriffen werden. Schnell weg und bloß nicht umdrehen…

Wer nun auf ein Fazit wartet, sollte sich mit viel Geduld wappnen. Es gibt kein wertendes Schlusswort für diese Abhandlung touristischen Inhalts. Wir hatten einen schönen Tag, wir werden auf jeden Fall erneut nach Bonn fahren und was diesen Tag angeht, schaut euch die Fotos an und macht euch selbst ein Bild. Wer einmal im Leben das Pech hatte, Offenbach besuchen zu müssen, der wird an Bonn nichts auszusetzen haben. Und somit gab's dann doch ein kleines Fazit. Der letzte macht das Licht aus, ich bin weg.

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